Alleinerbe nach gesetzlicher Erbfolge

Wie kann ich als Erbe handeln?

Als Erbe trittst Du in alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein und übernimmst sein Vermögen, Verträge und Schulden. Ein Erbfall liegt auch dann vor, wenn kein Vermögen vorhanden ist. Du haftest mit Deinen Vermögen.

Im Folgenden findest Du eine Übersicht über Deine wichtigsten Rechte und Pflichten als Erbe. Klicke auf die einzelnen Blöcke, um mehr über die dahinter stehenden Einzelthemen zu erfahren.

Als Erbe handeln

Wie bekomme ich die Sterbeurkunde?

Sterbeurkunde

Die Sterbeurkunde ist der Nachweis über den Tod des Erblassers. Sie wird benötigt, um den Nachlass abzuwickeln.

Wer kann die Sterbeurkunde beantragen?

Der Erbe kann die Sterbeurkunde formlos beantragen oder das Bestattungsunternehmen damit beauftragen. Es gibt auch Bundesländer, in denen die Beantragung der Sterbeurkunde ausschließlich über das Bestattungsunternehmen erfolgt.

Wo wird die Sterbeurkunde beantragt?

Die Sterbeurkunde wird beim Standesamt an dem Ort beantragt, an dem sich der Sterbefall ereignet hat. Bei den meisten Standesämtern ist dies online möglich.

Wann wird die Sterbeurkunde beantragt?

Die Beantragung der Sterbeurkunde ist jederzeit möglich, sollte jedoch so schnell wie möglich beantragt werden, um den Nachlass abwickeln zu können.

Welche Unterlagen sind für die Beantragung der Sterbeurkunde erforderlich?

In der Regel werden folgende Unterlagen benötigt:

  • Totenschein
  • Personalausweis des Verstorbenen
  • Geburtsurkunde des Verstorbenen
  • Unterlagen zum Familienstand des Verstorbenen,
    • verheiratet: Heiratsurkunde,
    • verwitwet: Heiratsurkunde und Sterbeurkunde des vorverstorbenen Ehepartners,
    • geschieden: Heiratsurkunde und rechtskräftiges Scheidungsurteil

oder – wenn benötigte Unterlagen nicht vorhanden sind – kann eine beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch beim zuständigen Standesamt beantragt werden.

  • Bei Beauftragung des Bestatters: Vollmacht für den Bestatter

Hinweis

Die Unterlagen müssen im Original eingereicht werden.

Was kostet die Sterbeurkunde?

  • In der Regel liegen die Gebühren für die Sterbeurkunde bei rund zehn bis fünfzehn Euro (je nach Standesamt).
  • Die Ausfertigungen für die gesetzliche Rentenversicherung, die Krankenkasse oder das Sozialamt sind gebührenfrei.
  • Weitere Ausfertigungen der Sterbeurkunden sind in der Regel günstiger, oft die Hälfte der Erstausfertigung bei gleichzeitiger Beantragung.

Tipps

Für die Nachlassabwicklung benötigst Du mehrere Ausfertigungen der Sterbeurkunde (je nach Bedarf ca. 5 – 10 Ausfertigungen), z.B. für Banken, Versicherungen, Beantragung Erbschein etc.

Bei vielen Vertragspartnern reicht aber eine Kopie der Sterbeurkunde aus.

Wie kann ich handeln?

Handeln als Bevollmächtigter über den Tod hinaus

Du kannst als Bevollmächtigter für den Erblasser über seinen Tod hinaus handeln, wenn Dir eine unbefristete Vollmacht erteilt wurde. Hat Dich der Vollmachtgeber ermächtigt in einem bestimmten Umfang für ihn tätig zu werden, kannst Du dies im Rahmen der Dir eingeräumten Befugnisse durch den Erblasser tun.

General-/ Vorsorgevollmacht

Mit einer unbefristeten General-/ Vorsorgevollmacht bist Du berechtigt auch über den Tod des Erblassers hinaus zu handeln.

Bei einer notariell beurkundeten Vollmacht ist die Akzeptanz hoch, da Fragen zur Geschäftsfähigkeit, Echtheit der Unterschrift, Bewusstsein über den Umfang der Vollmacht bereits geklärt sind. Bei einer formlosen Vollmacht ist die Akzeptanz in der Regel geringer.

Einzelvollmachten, z.B. Bankvollmacht

Mit einer unbefristete Einzelvollmacht kannst Du als Bevollmächtiger im Rahmen der eingeräumten Befugnisse durch den Erblasser tätig werden.

Hinweise

  • Banken- und Vorsorgevollmachten gelten meist über den Tod hinaus, es sei denn diese wurden nur für die Lebzeiten erteilt.
  • Wenn Du selbst keine postmortale Vollmacht des Erblassers hast, aber eine Person eine postmortale Vollmacht des Erblassers hat, die in Deinem Interesse tätig wird, wird dadurch die Abwicklung des Nachlasses stark vereinfacht.
  • Haben weder Du noch eine Person, die in Deinem Interesse handelt, eine postmortale Vollmacht, benötigst Du möglicherweise einen Erbschein. Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Handeln als Erbe‘ und ‚Wann brauche ich einen Erbschein?.

Beachte

  • Du solltest prüfen, ob und wenn ja, welche Vollmachten in welchem Umfang zugunsten Dritter zu Lebzeiten der Erblasser erteilt hat.
  • Eine bestehende Vollmacht sollte darauf überprüft werden, ob sie wirksam ist. Ist die Vollmacht z.B. vom Erblasser widerrufen worden oder bestanden ernste Zweifel an der Geschäftsfähigkeit des Erblassers im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung, kommt eine Haftung gem. § 179 BGB (Vertretung ohne Vertretungsmacht) in Betracht.
  • Ist die Vollmacht wirksam und steht zu befürchten, dass die Vollmacht durch den Dritten missbraucht wird, besteht die Möglichkeit, die Vollmacht zu widerrufen. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter ‚Widerruf der Erblasser-Vollmachten‘.

Handeln als Erbe

Um als Erbe handeln zu können, benötigst Du einen Nachweis, dass Du Erbe bist.

Allgemein

Hast Du keine Vollmacht mit der Du handeln kannst, kannst du als Erbe handeln. Dazu benötigst Du einen Nachweis, dass Du Erbe bist. Bei der gesetzlichen Erbfolge weist der Erbschein die Erbenstellung  nach. Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Wann brauche ich einen Erbschein?‘.

T: Bei einem notariell beurkundeten Testament oder Erbvertrag: i.d.R. genügt als Nachweis der Erbenstellung die Vorlage einer beglaubigten Abschrift des Schriftstücks sowie das Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts.

T: Bei einem eröffneten privatschriftlichen Testament: i.d.R. genügt auch als Nachweis der Erbenstellung die Vorlage einer beglaubigte Abschrift des Schriftstücks sowie das Eröffnungsprotokoll, wenn dieses die Erbfolge mit der im Rechtsverkehr erforderlichen Eindeutigkeit nachweist. Nur bei konkreten und begründeten Zweifeln daran, wer Erbe ist und wer nicht, können weitere Dokumente, wie z.B. ein Erbschein, verlangt werden.

Dazu muss das Testament im Wege des Nachlassverfahrens eröffnet worden sein. (Beschreibung)

Hinweise

  • Wenn Du selbst keine Vollmacht hast, aber eine Person eine postmortale Vollmacht des Erblassers hat, die in Deinem Interesse tätig wird, ist möglicherweise die Abwicklung des Nachlasses ohne Erbschein möglich.
  • Die Ausstellung eines Erbscheins kann Monate dauern.
  • Sehr selten – wenn der Erbe gut bekannt ist – kann es vorkommen, dass die Bank auf den Nachweis der Erbenstellung gegen Unterzeichnung einer Haftungsfreistellung verzichtet.

Wann brauche ich einen Erbschein?

Im Überblick

Der Erbschein weist Dich als Erben aus.

Erbschein

  • Der Erbschein ist ein vom Nachlassgericht ausgestelltes Zeugnis, das die Person des Erben sowie den Umfang seines Erbrechts angibt. Der Erbschein ist der Nachweis, der Dich als Erbe legitimiert.
  • Um den Nachlass abzuwickeln, benötigst Du nicht immer einen Erbschein. Bei vielen Handlungen und Verfügungen über den Nachlass, die Du als Erbe vornimmst, reicht die Sterbeurkunde aus. Auch kann der Nachlass – soweit vorhanden – mit Hilfe einer transmortalen Vollmacht (s. ‚Handeln als Bevollmächtiget über den Tod hinaus‘) weitreichend abgewickelt werden. In bestimmten Situationen, wie z.B. bei der Umschreibung von Immobilien ist der Erbschein oder das Europäische Nachlasszeugnis unerlässlich.
  • Der Erbschein sollte nicht beantragt werden, wenn die Möglichkeit besteht, dass der Nachlass überschuldet ist. Die Beantragung des Erbscheins wird konkludent als Annahme der Erbschaft gesehen. Mit der Annahme der Erbschaft haftest Du auch für die Schulden des Erblassers.
  • Der Erbschein wird auf Antrag beim Nachlassgericht erteilt und ist gebührenpflichtig.
  • Hat die Erbschaft Auslandsbezug benötigst Du möglicherweise ein Europäisches Nachlasszeugnis. Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Europäisches Nachlasszeugnis‘.

Wann benötige ich den Erbschein?

Um den Nachlass abzuwickeln, benötigst Du nicht immer einen Erbschein. Bei vielen Handlungen und Verfügungen über den Nachlass, die Du als Erbe vornimmst, reicht die Sterbeurkunde aus. Auch kann der Nachlass – soweit vorhanden – mit Hilfe einer transmortalen Vollmacht (s. ‚Handeln als Bevollmächtigter über den Tod hinaus‘) weitreichend abgewickelt werden.

Du benötigst einen Erbschein oder ein Europäisches Nachlasszeugnis als Nachweis der Erbfolge bei

Beachte

Der Erbschein sollte nicht beantragt werden, wenn die Möglichkeit besteht, dass der Nachlass überschuldet ist. Die Beantragung des Erbscheins wird konkludent als Annahme der Erbschaft gesehen. Mit der Annahme der Erbschaft haftest Du auch für die Schulden des Erblassers.

Wie beantrage ich den Erbschein?

Der Erbschein kann beim Nachlassgericht beantragt werden.

Wer kann den Erbschein beantragen?

Als Erbe bist Du berechtigt, einen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins zu stellen. Bist Du Alleinerbe, bezeugt der Erbschein Dein Erbrecht als Alleinerbe.

Wo kann ich den Erbschein beantragen?

Du kannst den Antrag entweder schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle beim Nachlassgericht stellen:

  • Zuständig ist das Nachlassgericht, also das Amtsgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthaltsort des Erblassers.
  • Alternativ kannst Du den Antrag auch im Wege der Rechtshilfe bei dem Nachlassgericht am Sitz Deines Wohnortes stellen.

Es besteht auch die Möglichkeit, den Antrag bei einem Notar in Deutschland aufnehmen und beurkunden zu lassen, der diesen dann an das Nachlassgericht sendet.

Tipp

TIPP: Erbscheinsantrag beim Nachlassgericht oder beim Notar?

Den Antrag bei einem Notar zu stellen hat den Vorteil, dass es in der Regel schneller geht und es einfacher ist einen Termin zu vereinbaren. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz und sind daher beim Nachlassgericht und beim Notar gleich hoch. Nachteilig ist, dass beim Notar auf die Gebühr für die eidesstattliche Versicherung zusätzlich Umsatzsteuer i.H.v. 19 %  gezahlt werden muss, da der Notar zur Erhebung verpflichtet ist.

Wann wird der Erbschein beantragt?

Die Beantragung des Erbscheins ist jederzeit möglich. Wenn er erforderlich ist, sollte er so schnell wie möglich beantragt werden, da die Ausstellung des Erbscheins mehrere Monate dauern kann.

Wie kann ich den Erbschein beantragen?

Für den Antrag auf Erteilung des Erbscheins ist keine Frist und keine Form einzuhalten. Da das Nachlassgericht nicht von dem Antrag abweichen und den Erbschein nur erteilen darf, wenn es von der Richtigkeit der zur Begründung des Antrags erforderlichen Tatsachen überzeugt ist, ist entscheidend, dass bei der Antragsstellung alle erforderlichen Angaben richtig und vollständig sind und durch öffentliche Urkunden nachgewiesen werden.

Welche Angaben und welche Unterlagen sind für die Beantragung des Erbscheins erforderlich?

Wer die Erteilung eines Erbscheins als gesetzlicher Erbe beantragt, hat gem. § 352 FamFG anzugeben:

  • den Zeitpunkt des Todes des Erblassers,
  • den letzten gewöhnlichen Aufenthalt und die Staatsangehörigkeit des Erblassers,
  • das Verhältnis, auf dem sein Erbrecht beruht,
  • ob und welche Personen vorhanden sind oder vorhanden waren, durch die er von der Erbfolge ausgeschlossen oder sein Erbteil gemindert werden würde,
  • ob und welche Verfügungen des Erblassers von Todes wegen vorhanden sind,
  • ob ein Rechtsstreit über sein Erbrecht anhängig ist,
  • dass er die Erbschaft angenommen hat,
  • die Größe seines Erbteils.

Ist eine Person weggefallen, durch die der Antragsteller von der Erbfolge ausgeschlossen oder sein Erbteil gemindert werden würde, so hat der Antragsteller anzugeben, in welcher Weise die Person weggefallen ist.

Die Richtigkeit der Angaben sind durch öffentliche Urkunden nachzuweisen.

Dies sind insbesondere:

  • Sterbeurkunde des Erblassers,
  • Sämtliche Geburts- und Abstammungsurkunden, welche die Verwandtschaft des Erben mit dem Erblasser nachweisen.
  • Heiratsurkunde bei Ehegatten,
  • Die Sterbeurkunden von Personen, die als (Mit-)Erben in Betracht gekommen wären, wenn sie den Erbfall erlebt hätten, z.B. des vorverstorbenen Ehepartners,
  • Für den Fall, dass der Erblasser rechtskräftig geschieden wurde, Scheidungsurteil(e) oder den Scheidungsantrag, wenn der Erblasser vor seinem Tod bei Gericht die Scheidung eingereicht hat.
  • (falls vorhanden Eheverträge von derzeitigen oder früheren Ehegatten)

Zudem hat der Antragsteller vor dem Nachlassgericht oder einem Notar an Eides statt zu versichern, dass ihm nichts bekannt ist, was der Richtigkeit seiner Angaben entgegensteht

Tipp

Bei der Antragstellung sollten mehrere Ausfertigungen des Erbscheins beantragt werden, da i.d.R. für die Abwicklung mehrere Ausfertigungen gleichzeitig benötigt werden.

Was kostet der Erbschein?

Bei der Beantragung des Erbscheins fallen folgende Gebühren an:

  • Eine Gebühr für die Aufnahme der eidesstattlichen Versicherung. Nimmt diese ein Notar auf, fallen zusätzlich 19 % Umsatzsteuer an.
  • Eine Gebühr für die Erteilung des Erbscheins.
  • Ferner kann eine Gebühr anfallen, wenn das Gericht im Rahmen seiner Prüfung Zeugen vernimmt oder Tatsachen in Augenschein nimmt (z. B. eine Ortsbegehung durchführt).

Für die Höhe der Gebühren ist der Wert des Nachlasses maßgeblich, d.h. der Wert der Nachlassaktiva abzüglich der Nachlassverbindlichkeiten.

Ist der Nachlasswert zunächst noch nicht bekannt, kann eine entsprechende Erklärung später nachgereicht werden.

Beispiel

  • Der Erblasser hat Barvermögen in Höhe von 210.000 EUR hinterlassen, dem Verbindlichkeiten für einen Kredit in Höhe von 100.000 EUR gegenüberstehen. Der Wert des Nachlasses beträgt 110.000 EUR.Bei einem Wert des Nachlasses von 110.000 EUR, fällt eine Gebühr für die Erteilung des Erbscheins und eine Gebühr für die Aufnahme der eidesstattlichen Versicherung an, insgesamt also 546,- EUR.

EG: Bei der Erteilung eines Erbscheins über einen Miterbenanteil wird nur vom Wert des Miterbenanteils ausgegangen.

  • Gebühr für die Aufnahme der eidesstattlichen Versicherung (Vorbemerkung 1 Absatz 2 und Nr. 23300 des KV zum GNotKG)
  • Gebühr für die Erteilung des Erbscheins (Nr. 122210 des KV zum GNotKG)

Wie läuft das Erbscheinverfahren ab?

Als Erbe hast Du die Möglichkeit einen Erbschein zu beantragen.

Wie ist der Prozess und was ist zu beachten?

11

Antrag beim

Nachlass-

gericht

22

Nachlass-

verzeichnis

einreichen

33

Eidesstattliche

Versicherung

abgeben

44

Nachlassgericht

prüft den

Antrag

55

Erbschein wird erteilt

oder Antrag wird

zurückgewiesen

1

Antrag beim Nachlassgericht

Du reichst den Antrag auf Erteilung des Erbscheins und die erforderlichen Unterlagen beim Nachlassgericht ein. (s. ‚Antrag Erbschein‘)

2

Nachlassverzeichnis beim Nachlassgericht einreichen

  • Vom Nachlassgericht bekommst Du einen Vordruck für das so genannte Nachlassverzeichnis.
  • In das Nachlassverzeichnis trägst Du die Vermögenswerte ein, die in den Nachlass fallen.
    • Das Nachlassverzeichnis kann auch im Nachhinein noch berichtigt werden, wenn im weiteren Verlauf neue Erkenntnisse über die Vermögenswerte entstehen.
    • Bei Immobilien reichen Schätzwerte.
  • Die Kosten für den Erbschein richten sich nach dem ermittelten Nachlasswert.
3

Eidesstattliche Versicherung abgeben beim Nachlassgericht oder beim Notar

  • Die Vollständigkeit und Richtigkeit Deiner gemachten Angaben ist von Dir eidesstattlich zu versichern.
  • Beim Nachlassgericht: Für die eidesstattliche Versicherung wird man vom Nachlassgericht – je nach Auslastung – nach ein paar Wochen zu einem Termin eingeladen. Der Termin findet beim Nachlassgericht in der Regel vor einem Rechtspfleger statt. Der Rechtspfleger prüft den Antrag auf Vollständigkeit und die eidesstattliche Versicherung ist zu unterschreiben. Mit einer falschen eidesstattlichen Versicherung macht man sich strafbar. Das Nachlassgericht kann in seltenen  Ausnahmefällen auf eine eidesstattliche Versicherung verzichten.
  • Beim Notar: Um den Prozess zu beschleunigen kann die eidesstattliche Versicherung auch bei einem Notar abgegeben werden, der diese dann an das Nachlassgericht weiterleitet. Die Gebühren beim Nachlassgericht und beim Notar sind gleich hoch, allerdings ist beim Notar zusätzlich 19 % Umsatzsteuer zu zahlen, da dieser zu deren Erhebung verpflichtet ist.
4

Das Nachlassgericht prüft den Antrag

  • Das Nachlassgericht prüft den Antrag auf Erteilung des Erbscheins. Dabei ist es an den Antrag gebunden und darf bei Erteilung des Erbscheins nicht vom Antrag abweichen.
  • Es gilt der so genannte Amtsermittlungsgrundsatz. Dies bedeutet, dass das Nachlassgericht von Amts wegen die erforderlichen Ermittlungen anzustellen und die geeignet erscheinenden Beweise zu erheben hat. (§§ 26, 29 FamFG).
  • Beurteilt es die Erbfolge anders als beantragt ist der Erbscheinantrag zurückzuweisen. Bei Bedenken kann der Antragsteller jedoch durch eine Zwischenverfügung zur Änderung seines Antrags aufgefordert werden.
  • Das Nachlassgericht darf den Erbschein nur erteilen, wenn es von der Richtigkeit der zur Begründung des Antrags erforderlichen Tatsachen überzeugt ist.
5

Erbschein wird erteilt oder Antrag wird zurückgewiesen

Die Entscheidung des Nachlassgerichtes ergeht durch Beschluss. Der Erbschein wird erteilt oder der Antrag wird zurückgewiesen. Der Beschluss wird mit Erlass wirksam.

Hat das Nachlassgericht den Antrag auf Erteilung des Erbscheins als unbegründet zurückgewiesen, hast Du die Möglichkeit innerhalb einer Frist von einem Monat Beschwerde gegen den Beschluss einzulegen.

Unrichtiger Erbschein

Was ist, wenn ein unrichtiger Erbschein bereits erteilt wurde?

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass der erteilte Erbschein unrichtig ist, wird der Erbschein durch das Nachlassgericht eingezogen oder durch Beschluss für kraftlos erklärt. Der Erbe kann ein Verfahren zur Einziehung und Kraftloserklärung des Erbscheins beim Nachlassgericht anregen. Die Unrichtigkeit des erteilten Erbscheins liegt vor, wenn sich die Voraussetzungen für die Erteilung entweder schon ursprünglich nicht gegeben waren oder nicht mehr vorhanden sind.

Beispiel

  • Es wurde bei der Erteilung des Erbscheins von der gesetzlichen Erbfolge ausgegangen, im Nachhinein aber ein davon abweichendes Testament gefunden. Der Erbschein ist unrichtig und der Erbschein ist einzuziehen.

Solange der Erbschein nicht eingezogen oder für kraftlos erklärt wird, genießt der Erbscheininhaber den sogenannten öffentlichen Glauben. Dies bedeutet, dass derjenige, der von einem Erbscheininhaber etwas erlangt – z.B. ein Dritter kauft vom Erbscheininhaber eine Sache aus dem Nachlass – in seinem Glauben an die Rechtmäßigkeit auch dann geschützt wird, wenn sich später herausstellt, dass der Erbschein zu Unrecht erteilt wurde. Dies gilt nicht, wenn der Erwerber die Unrichtigkeit kennt oder weiß, dass das Nachlassgericht die Rückgabe des Erbscheins wegen Unrichtigkeit verlangt hat. Dann hat der Erwerber dem Erben den erworbenen Gegenstand zurückzugeben.

Der wirkliche Erbe kann vom Besitzer eines unrichtigen Erbscheins Herausgabe an das Nachlassgericht verlangen. Derjenige, welchem ein unrichtiger Erbschein erteilt worden ist, hat dem wirklichen Erben über den Bestand der Erbschaft und über den Verbleib der Erbschaftsgegenstände Auskunft zu erteilen.

Die Parteien können auch nach Erteilung des Erbscheins die Erbregelung durch das Prozessgericht feststellen lassen. Die Entscheidung ist – anders als beim nachlassgerichtlichen Erbscheinverfahren – rechtskräftig und kann später nicht mehr angegriffen werden.

Europäisches Nachlasszeugnis

Europäisches Nachlasszeugnis

Allgemein

Umschreiben!

Für Erbfälle ab dem 17.08.2015 besteht die Möglichkeit der Erteilung eines Europäischen Nachlasszeugnisses. Dieses gilt in allen Mitgliedstaaten der EU außer im Vereinigten Königreich, in Irland und Dänemark.

In Deutschland ist grundsätzlich ein Erbschein nach deutschem Recht ausreichend. Befinden sich jedoch Nachlassgegenstände im Ausland, reicht ein Erbschein nach deutschem Recht nicht immer zum Nachweis der Erbberechtigung aus.

Daher sollte zunächst im Ausland erfragt werden, ob der Erbschein auch zur Abwicklung des dort befindlichen Nachlasses ausreicht. Ansprechpartner sind hier die Botschaften, Banken oder zuständigen Behörden. Eventuell kann auch im Ausland bei den dort zuständigen Stellen ein Erbnachweis nach dem ausländischen Recht beantragt werden.

Sollte ein Erbschein nicht ausreichen, kann ein europäisches Nachlasszeugnis erforderlich sein. Dieses ist beim Nachlassgericht oder bei jedem deutschen Notar zu beantragen.

Die Ausführungen zum Erbschein gelten entsprechend, jedoch ist zu beachten, dass der Antragsteller nur eine beglaubigte Kopie des Zeugnisses erhält, die grundsätzlich nur 6 Monate ab Ausstellung gültig ist. Nach Ablauf dieser Frist, ist jedoch nicht das europäische Nachlasszeugnis unwirksam, lediglich die ausgehändigte beglaubigte Kopie verliert ihre Legitimationswirkung.

Sollten Sie ein europäisches Nachlasszeugnis benötigen, folgen Sie bitte dem nachfolgen Link: https://e-justice.europa.eu/content_successions-166-de.do und verwenden Sie dort das „Formblatt IV (Antrag auf Ausstellung eines Europäischen Nachlasszeugnisses)“.

Bei der Beantragung ist zu beachten, dass nicht immer das deutsche Erbrecht anzuwenden ist. Maßgebend ist das Recht des Staates, in dem der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Der Erblasser kann jedoch auch bestimmen, dass das Recht des Staates seiner Staatsangehörigkeit Anwendung finden soll. Diese Rechtswahl muss ausdrücklich in einer Verfügung von Todes wegen (z.B. Testament) erklärt werden.

Lebt zum Beispiel ein deutscher Staatsbürger seit einigen Jahren in Spanien und verstirbt dort, findet das spanische Erbrecht Anwendung.  Es sei denn es gibt ein Testament oder einen Erbvertrag in dem der deutsche Staatsbürger ausdrücklich angegeben hat, dass das deutsche Erbrecht angewendet werden soll.

Die Wirksamkeit und Zulässigkeit einer Verfügung von Todes wegen richtet sich grundsätzlich auch hier nach dem Recht des Staates, in dem man seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat. Eine Rechtswahl durch den Testator ist jedoch auch hier möglich. In diesem Fall findet das Recht des Staates der eigenen Staatsangehörigkeit Anwendung.

Für die Erteilung des Europäischen Nachlasszeugnisses fallen dieselben Kosten an, wie für die Erteilung des Erbscheins. Werden Europäisches Nachlasszeugnis und Erbschein beantragt, fallen die doppelten Kosten an.

Prozess und Kosten

Erblasser-Vollmachten widerrufen

Erteilte Vollmachten des Erblassers widerrufen

Als Erbe hast Du die Möglichkeit Vollmachten, die der Erblasser zu Lebzeiten erteilt hat, zu widerrufen.

Kann ich Vollmachten (z.B. Bank- oder Vorsorgevollmacht), die der Erblasser Dritten zu Lebzeiten erteilt hat, widerrufen?

Der Erbe kann eine bestehende Vollmacht, die jemand anderen bevollmächtigt, ganz oder teilweise widerrufen, da das Widerrufsrecht beim Tod des Erblassers auf den Erben übergeht. Die Erben können die Vollmacht in der Regel nicht widerrufen, wenn der Erblasser zu Lebzeiten auf das Widerrufsrecht verzichtet hat. (Prüfen!)

Für den Widerruf der Vollmacht ist der Nachweis der Erbenstellung erforderlich (s. Nachweis der Erbenstellung). Wie erwähnt kann es einige Monate dauern, bis der Erbschein ausgestellt wird.

Grundsätzlich empfiehlt sich, gerade, wenn Du befürchtest, dass die Vollmacht durch den Bevollmächtigten missbraucht werden könnte, schnell zu handeln und den Widerruf der Vollmacht auch schon vor Erteilung eines Erbscheins (oder einer gleichrangigen Legitimation) zu erklären. Dabei empfiehlt es sich zusätzlich, der Bank die Sachlage im Detail zu schildern mit dem Ziel, dass die Bank Zweifel an der Treue des Bevollmächtigen bekommt und die Aufträge des Bevollmächtigten nicht ausführt. Allerdings ist dieses Vorgehen nicht immer erfolgreich und ggf. lohnt es sich für diese oder weitere mögliche Sicherungsmaßnahmen (wie z.B. Nachlasssicherung, Nachlassverwaltung oder eine einstweilige Verfügung gegen den Bevollmächtigten) einen Rechtsanwalt einzuschalten.

T: Ein  allzu früher Widerruf sollte dann nicht erfolgen, wenn dem Erblasser die Vollmacht über den Tod hinaus wichtig ist und zu befürchten ist, dass er entsprechende Druckmittel im Testament eingebaut, z.B. die auflösende Bedingung der Erbeinsetzung. Nach der Kenntnis des Testamentes entscheidet sich, ob ein Widerruf der Vollmacht möglich ist.

EG: Widerruf der Vollmacht durch einen Miterben: jeder Miterbe hat ein eigenes Widerrufsrecht. Wenn ein Miterbe die Vollmacht widerruft, kann der Bevollmächtigte nur noch mit Einverständnis des widerrufenden Miterben handeln. Der widerrufende Miterbe hat dann Anspruch auf Aufnahme eines Widerrufvermerks in der Urkunde.

Tipp

  • Du solltest prüfen, ob der Erblasser zu Lebzeiten Dritten Vollmachten erteilt hat und falls ja, in welchem Umfang.
  • Eine bestehende Vollmacht sollte darauf überprüft werden, ob sie wirksam ist. Die Vollmacht könnte unwirksam sein, wenn diese z.B. vom Erblasser zu Lebzeiten widerrufen worden ist oder ernste Zweifel an der Geschäftsfähigkeit des Erblassers im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung bestanden.
  • Hat der Bevollmächtigte trotz unwirksamer Vollmacht im Namen des Erblassers gehandelt, kommt eine Haftung gem. § 179 BGB (Vertretung ohne Vertretungsmacht) in Betracht.

Beachte

  • (EG: Ist ein Mitglied der Erbengemeinschaft Bevollmächtigter, kann es taktisch sinnvoll sein, dass nur einer in der Erbengemeinschaft die Vollmacht widerruft, um sicherzustellen, dass der Bevollmächtigte nicht eigenmächtig handelt und gleichzeitig die „gute“ Zusammenarbeit zu erhalten.)
  • (EG: Bevollmächtigter und die Erben: – Erbe als Rechtsnachfolger im Auftragsverhältnis, Anspruch auf Auskunft und Rechenschaft, Leistungsansprüche gegen den Bevollmächtigten, Beweisfragen)

Toolset

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Beispiel

  • Der langjährige Partner des Erblassers entnimmt Gegenstände aus dem Nachlass. Der Erbe hat dann einen Herausgabeanspruch gegen den Partner. Mehr zu dem Thema findest Du im nächsten Reiter „Herausgabeansprüche des Erben„.

Rechtsrat einholen

Wenn Du unsicher bist, ob Du trotz eines laufenden Scheidungsprozesses noch erbberechtigt bist.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Frist

Das Erbe kann nur innerhalb einer Frist von 6 Wochen ausgeschlagen werden! Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Erbe annehmen oder ausschlagen„.

Hast Du die Frist verpasst, besteht die Möglichkeit die Annahme anzufechten. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Annahme anfechten„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Optionen

Das Erbe kann nur innerhalb einer Frist von 6 Wochen ausgeschlagen werden! Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Erbe annehmen oder ausschlagen„.

Hast Du die Frist verpasst, besteht die Möglichkeit die Annahme anzufechten. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Annahme anfechten„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Tipp

Die grundsätzlich unbeschränkte Erbenhaftung ist unter bestimmten Voraussetzungen beschränkbar. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Wie kann ich die Haftung auf den Nachlass begrenzen?„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Frist

Das Erbe kann nur innerhalb einer Frist von 6 Wochen ausgeschlagen werden! Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Erbe annehmen oder ausschlagen„.

Hast Du die Frist verpasst, besteht die Möglichkeit die Annahme anzufechten. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Annahme anfechten„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Expertentipp

Beachte

Die grundsätzlich unbeschränkte Erbenhaftung ist unter bestimmten Voraussetzungen beschränkbar. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Wie kann ich die Haftung auf den Nachlass begrenzen?„.

Expertentipp

Jetzt starten!