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Ansprüche sichern

Unfall-/ Lebensversicherung

Im Überblick

Zunächst solltest Du herausfinden – falls nicht bekannt -, ob der Verstorbenen eine oder mehrere Unfall-, Lebens- oder Sterbegeldversicherungen abgeschlossen hatte und wer die Bezugsberechtigten sind. (1.)

Bei einem Unfall leistet möglicherweise auch die Versicherung eines Dritten. (3.)

Gibt es entsprechende Versicherungen, solltest Du der Versicherung den Tod des Erblassers unverzüglich anzeigen und je nach Situation den Anspruch geltend machen (2.).

Ist ein Dritter vom Erblasser als Bezugsberechtigter benannt, können die Erben unter bestimmten Bedingungen die Begünstigung widerrufen. (4.)

1. Wie finde ich heraus, ob der Erblasser eine Versicherung abgeschlossen hat?

Es gibt verschiedene Recherche-Möglichkeiten, um herauszufinden, ob der Erblasser eine Unfall-, Lebens- oder Sterbegeldversicherung abgeschlossen hat:

  • Prüfung der Unterlagen des Erblassers
  • Durchsicht der Kontoauszüge des Verstorbenen nach Zahlungen an eine Versicherung
  • Durchsicht der vergangenen Steuererklärungen unter Sonderausgaben nach Versicherungen
  • Ggf. Nachfrage beim Versicherungsvermittler des Verstorbenen
  • Recherche direkt bei den Versicherungen – über die Unternehmensdatenbank des Bundesaufsichtsamts für Finanzdienstleistungen kannst Du Dir einen Überblick über die existierenden (Unfall-, Lebens-, Sterbegeld-)Versicherungen verschaffen (www.bafin.de, Link zur Datenbank).

2. Den Tod des Erblassers solltest Du der Versicherung unverzüglich anzeigen und je nach Situation den Anspruch geltend machen

Du solltest der Versicherung unverzüglich den Tod des Erblassers anzeigen und je nach Situation den Anspruch bei der Versicherung geltend machen. Den Anspruch kannst Du geltend machen, wenn Du vom Erblasser als Bezugsberechtigter benannt bist oder als Erbe gemeinsam mit Deinen Miterben, wenn die Versicherungsleistung in den Nachlass fällt. Die Versicherungsleistung fällt dann in den Nachlass, wenn kein Bezugsberechtigter vom Erblasser benannt wurde.

Mehr zu den Themen findest Du in den nächsten Reitern unter ‚Tod unverzüglich anzeigen‘ und ‚Anspruch geltend machen‘.

Frist

Die Frist zur Anzeige des Todes des Erblassers beträgt – je nach Versicherungsbedingungen – zwischen 24 Stunden bis 72 Stunden oder unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern.

Bei einem Unfall beträgt die Anzeigefrist in der Regel 48 Stunden.

Es wird empfohlen, den Versicherungsschein sicher aufzubewahren, da dieser auch ein Legitimationspapier ist. Die Versicherung kann die Auszahlung der Versicherungssumme an den Inhaber des Versicherungsscheins ohne weitere Prüfung der Bezugsberechtigung befreiend vornehmen.

Beachte

Fehlt der Versicherungsschein besteht Handlungsbedarf! Die Versicherung sollte unverzüglich darüber informiert werden, um zu verhindern, dass die Auszahlung der Versicherungssumme an einen Nichtberechtigten erfolgt.

3. Möglicherweise besteht für den Verstorbenen Versicherungsschutz durch die Versicherung eines Dritten

Der Verstorbener kann auch über Dritte versichert sein, bspw. über den Arbeitgeber, den Reiseveranstalter, das Pflegeheim, die gegnerische Versicherung (z.B. bei Unfalltod durch Fremdverschulden) etc.

Tipp

Insbesondere bei einem Unfall solltest Du prüfen, ob die Versicherung eines Dritten haftet.

4. Die Begünstigung eines Dritten in der Versicherung können Du und Deine Miterben u.U. widerrufen.

Ist ein Dritter durch den Erblasser als Bezugsberechtigter der Versicherung benannt, können die Erben unter Umständen die Begünstigung widerrufen. Mehr zu dem Thema findest Du in den nächsten Reitern unter ‚Begünstigung eines Dritten unverzüglich widerrufen‘.

Beachte

Wenn Du und Deine Miterben die Begünstigung widerrufen wollt, solltet Ihr schnell handeln!

Ihr solltet vorsorglich unverzüglich

  • den Auftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots gegenüber der Versicherung widerrufen, sowie
  • das Schenkungsangebot gegenüber dem Bezugsberechtigten widerrufen,

da die Schenkung mit der Annahme des Schenkungsangebots durch den Begünstigten wirksam wird und damit der Widerruf des Schenkungsangebots durch die Erben nicht mehr möglich ist.

Bitte beachte jedoch: War dem Erblasser die Begünstigung wichtig und ist zu befürchten, dass er entsprechende Druckmittel im Testament vorgesehen hat, z.B. die auflösende Bedingung der Erbeinsetzung (selten), ist eine Abwägung der Optionen erforderlich. Ein Widerruf nach Eröffnung des Testaments ist jedoch aller Voraussicht nach zu spät.

Tod des Versicherungsnehmers unverzüglich anzeigen

Der Tod des Versicherungsnehmers sollte der Versicherung unverzüglich schriftlich angezeigt werden.

Was bedeutet unverzüglich?

In den Versicherungsbedingungen ist in der Regel eine Anzeigepflicht innerhalb von 24 Stunden bis 72 Stunden oder unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern, vorgesehen. Bei einem Unfall beträgt die Anzeigefrist in der Regel 48 Stunden, um ggf. die Veranlassung einer Obduktion zu ermöglichen.

Frist

Du solltest die Versicherung unverzüglich über den Todesfall informieren. Die Frist zur Anzeige beträgt – je nach Versicherungsbedingungen – zwischen 24 Stunden bis 72 Stunden oder unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern.

Bei einem Unfall beträgt die Anzeigefrist in der Regel 48 Stunden.

Tipps

Um die rechtzeitige Benachrichtigung nachweisen zu können, sollte diese vorab per E-Mail oder Fax und dann per Einschreiben mit Rückschein erfolgen.

Sollte der Widerruf der Begünstigung angestrebt werden, wird empfohlen der Versicherung die Benachrichtigung über den Todesfall und den Widerruf zeitgleich zukommen zu lassen. Mehr zu dem Thema findest Du in den nächsten Reitern unter ‚Begünstigung unverzüglich widerrufen‘.

Was passiert, wenn die Anzeige des Todes nicht rechtzeitig erfolgt?

Bei der Verletzung der Anzeigepflicht kann die Versicherung von ihrer Leistungspflicht frei werden oder die Leistung kürzen, wenn dies vertraglich vereinbart wurde und die Anzeige vorsätzlich oder grob fahrlässig unterlassen wurde. Allerdings muss die Versicherung in der Regel nachweisen, inwieweit sich die verspätete Anzeige auf ihre Feststellungsmöglichkeiten und die damit verbundene Leistungspflicht auswirkt. Diese Fälle sind allerdings selten.

Unproblematisch ist, wenn Unterlagen über die abgeschlossene Versicherung erst Monate später entdeckt werden und der Anspruchsberechtigte dann aber sofort die Versicherung informiert, da die Anzeigepflicht weder vorsätzlich noch grob fahrlässig versäumt wurde.

Beachte

Sobald Du Unterlagen zu einer abgeschlossenen Versicherung findest, solltest Du unverzüglich der Versicherung den Todesfall anzeigen.

Anspruch geltend machen

Nur Bezugsberechtigte können den Anspruch auf Auszahlung der Versicherungssumme bei der Versicherung geltend machen.

Wer ist berechtigt den Anspruch geltend zu machen?

  • Anspruchsberechtigt ist derjenige, der im Versicherungsschein als Bezugsberechtigter eingetragen wurde.
  • Ist ein Dritter durch den Erblasser als Bezugsberechtigter der Versicherung benannt, können die Erben die Begünstigung unter Umständen widerrufen. Mehr zu dem Thema findest Du in dem nächsten Reiter unter ‚Begünstigung eines Dritten unverzüglich widerrufen‘.
  • Ist kein Bezugsberechtigter benannt, fällt die Versicherungssumme in die Erbmasse und die Erben sind anspruchsberechtigt.

Wie ist der Prozess und was ist zu beachten?

11

Tod

unverzüglich

anzeigen

22

Antrag &

Unterlagen

einreichen

33

Versicherung

prüft und hat

ggf. Rückfragen

44

Versicherung

entscheidet über

Auszahlung

1

Tod des Versicherungsnehmers unverzüglich anzeigen

Der Tod des Versicherungsnehmers sollte der Versicherung unverzüglich schriftlich angezeigt werden.

Frist

Eine Anzeigepflicht innerhalb von 24 Stunden bis 72 Stunden oder unverzüglich, d.h. ohne schuldhaftes Zögern, ist in der Regel in den Versicherungsbedingungen vorgesehen. Bei einem Unfall beträgt die Anzeigefrist in der Regel 48 Stunden, um ggf. die Veranlassung einer Obduktion zu ermöglichen.

Tipp

Um die rechtzeitige Benachrichtigung nachweisen zu können, sollte diese vorab per E-Mail oder Fax und dann per Einschreiben mit Rückschein erfolgen.

2

Antrag und Unterlagen bei der Versicherung einreichen

2.1 Wie stelle ich den Antrag?

Nach der Anzeige des Todes meldet sich die Versicherung mit weiteren Informationen und wird die erforderlichen Unterlagen anfragen.

Die Auszahlung der Versicherungssumme muss dann von den Anspruchsberechtigten untere Beifügung der erforderlichen Unterlagen schriftlich beantragt werden.

Tipp

Wenn die Versicherung sich nicht zeitnah meldet, solltest Du nachhacken, gerade wenn evt. noch Untersuchungen seitens der Versicherung zu erwarten sind.

2.2 Welche Unterlagen werden von der Versicherung i.d.R. benötigt?

  • Beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde sowie der Geburtsurkunde
  • Versicherungsschein im Original
  • Nachweis der letzten Beitragszahlung auf Verlangen (selten)
  • Ärztliches oder amtliches Zeugnis über die Todesursache; bei Versterben infolge von Krankheit: ärztliches Attest, in welchem der Beginn und des Verlauf der Krankheit dargestellt wird
  • Nachweis über die Stellung als Bezugsberechtigter
    • Hat der Erblasser einen Bezugsberechtigten bestimmt: Identitätsnachweis des Bezugsberechtigten
    • Hat der Erblasser keinen Bezugsberechtigten bestimmt fällt die Versicherungssumme in den Nachlass. Die Erben weisen die Erbenstellung durch beglaubigte Abschrift des Erbscheins nach.

Hinweise

  • Der Antrag muss von allen Begünstigten unterzeichnet werden. Sind die Erben anspruchsberechtigt, muss der Antrag von allen Erben unterzeichnet werden.
  • Die Unterlagen müssen im Original  eingereicht werden und sollten per Einschreiben mit Rückschein zugestellt werden.
  • Du solltest eine Kopie über alle bei der Versicherung eingereichten Unterlagen machen.
3

Prüfung und ggf. Rückfragen der Versicherung

Die Versicherung untersucht in der Regel sehr genau die Todesumstände und den Gesundheitszustand des Erblassers vor dem Tod. Möglicherweise werden weitere Unterlagen angefordert, bspw. zum Gesundheitszustand vor dem Tod oder zu polizeilichen Ermittlungen. Unter Umständen wird eine Obduktion durchgeführt.

Im Einzelfall verlangt die Versicherung weitere Dokumente, z.B. medizinische Unterlagen, wenn Zweifel bestehen, dass bei Abschluss des Vertrages korrekte Angaben zum Gesundheitszustand gemacht wurden.

4

Entscheidung der Versicherung über die Auszahlung der Versicherungssumme

Bei positiver Prüfung wird die Versicherungssumme an denjenigen ausbezahlt, der im Versicherungsschein als Bezugsberechtigter eingetragen ist. Ist kein Bezugsberechtigter genannt, fällt die Versicherungssumme in die Erbmasse.

Die Versicherung kann aber auch Einwendungen gegen die Auszahlung geltend machen. Gründe können sein:

  • Fehlende Fälligkeit (z.B. Ermittlungen zur Todesursache der versicherten Person dauern an)
  • Selbsttötung der versicherten Person (kann Auswirkungen auf den Umfang der Leistungspflicht haben)
  • Abtretung/ Verpfändung/ Pfändung: Die Bezugsberechtigung entfällt, wenn der Versicherungsnehmer seinen Anspruch aus der Lebensversicherung abgetreten oder verpfändet hat. (z.B. Abtretung der Lebensversicherung zur Kreditsicherung an Darlehensgeber)
  • Die Versicherungssumme der Sterbegeldversicherung geht evt. direkt an ein Bestattungsunternehmen, wenn dies in einem Vertrag zur Bestattungsvorsorge vereinbart wurde.
  • Bei Verjährung des Anspruchs.

Hinweise

  • Zahlt die Versicherung trotz Anspruch nicht, solltest Du die Versicherung auffordern die Versicherungssumme innerhalb einer von Dir festgesetzten Frist zu zahlen.
  • Vor der Auszahlung der Versicherungssumme wird sich jeder Begünstigte identifizieren müssen, z.B. per Postident-Verfahren oder durch Vorlage des Personalausweises in einer Agentur der Versicherungsgesellschaft vor Ort.
  • Bezüglich der Auszahlung einer Lebensversicherung kann Erbschaftsteuer fällig werden, wenn die Versicherungsleistung in den Nachlass fällt. Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Steuern regeln‘.

Rechtsrat einholen

Hast Du Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung der Versicherung, solltest Du ggf. einen Rechtsanwalt hinzuziehen und ggf. gegen die Entscheidung gerichtlich vorgehen.

Begünstigung eines Dritten widerrufen

Hat der Erblasser mit der Versicherung vereinbart, dass im Falle seines Todes eine bestimmte Person eine Versicherungsleistung erhalten soll (Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall), fällt die Versicherungsleistung nicht in den Nachlass. Die Versicherungsleistung steht dem Begünstigten (auch Bezugsberechtigter genannt) zu.

Unter den im Folgenden genannten Bedingungen kann die Erbengemeinschaft die Begünstigung widerrufen. Ist der Widerruf erfolgreich fällt der Leistungsanspruch gegen die Versicherung in den Nachlass.

Beachte

Wenn Du und Deine Miterben die Begünstigung widerrufen wollt, solltet Ihr schnell handeln!

Ihr solltet vorsorglich unverzüglich

  • den Auftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots gegenüber der Versicherung widerrufen, sowie
  • das Schenkungsangebot gegenüber dem Bezugsberechtigten widerrufen,

da die Schenkung mit der Annahme des Schenkungsangebots durch den Begünstigten wirksam wird und damit der Widerruf des Schenkungsangebots durch die Erben nicht mehr möglich ist.

Bitte beachte jedoch: War dem Erblasser die Begünstigung wichtig und ist zu befürchten, dass er entsprechende Druckmittel im Testament vorgesehen hat, z.B. die auflösende Bedingung der Erbeinsetzung (selten), ist eine Abwägung der Optionen erforderlich. Ein Widerruf nach Eröffnung des Testaments ist jedoch aller Voraussicht nach zu spät.

Hinweis

Wie ist die Rechtslage, wenn in der Erbengemeinschaft nicht alle Erben dem Widerruf zustimmen?
In der Erbengemeinschaft entscheidet grundsätzlich die Mehrheit der Erben, berechnet nach den Erbanteilen. Liegt eine Stimmenmehrheit vor, kann der Auftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots sowie das Schenkungsangebot gegenüber dem Bezugsberechtigten widerrufen werden.

Hinweis

Hat der Versicherungsnehmer „die Erben“ als Bezugsberechtigte bestimmt, erwerben diese die Versicherungsleistung als Bezugsberechtigte. Die Versicherungsleistung fällt nicht in den Nachlass.

Wie finde ich heraus, ob der Erblasser Verträge zugunsten Dritter mit der Versicherung abgeschlossen hat?

  • Mehr über die verschiedenen Recherche-Möglichkeiten findest Du unter ‚Unfall-/ Lebensversicherungen/ Im Überblick‘.
  •  Als Erbe hast Du sowie jeder Miterbe einen Anspruch auf Auskunft gegenüber der Versicherung.
  • Bspw. kannst Du sowie jeder Miterbe anfragen:
    • ob und zu welchen Konditionen Verträge zugunsten Dritter im Todesfall vereinbart wurden,
    • wer Bezugsberechtigter ist, und
    • ob die Versicherungsleistung bereits ausgezahlt wurde.

I. Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall

Im Folgenden werden die Rechtsbeziehungen bei einem Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall dargelegt:

1. Deckungsverhältnis zwischen Versicherungsnehmer und Versicherung

  • Das Deckungsverhältnis regelt die Beziehung zwischen Versicherungsnehmer und Versicherung.
  • Der Versicherungsnehmer kann mit der Versicherung vereinbaren, dass die Versicherung im Falle seines Todes eine Leistung an einen von ihm benannten Bezugsberechtigten zu erbringen hat.
  • Der Versicherungsnehmer kann die Bezugsberechtigung bis zum Eintritt des Versicherungsfalles widerrufen, es sei denn, er hat auf sein Widerrufsrecht verzichtet. Hat der Versicherungsnehmer, dem Dritten ein unwiderruflichen Bezugsrechts bei der Lebensversicherung eingeräumt, erwirbt der Dritte das Recht auf die Leistung sofort.
  • Mit dem Tod des Erblassers entfällt das Widerrufsrecht, die Erben können die Bezugsberechtigung nicht widerrufen.
  • Mit der Bestimmung des Bezugsberechtigten wird die Versicherung konkludent beauftragt dem Begünstigten im Falle des Todes des Versicherungsnehmers dessen Schenkungsangebot mitzuteilen.
  • Der Bezugsberechtigte erwirbt mit dem Eintritt des Todesfalls einen eigenen Auszahlungsanspruch gegen die Versicherung.

2. Valutaverhältnis zwischen Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigtem

  • Das Valutaverhältnis regelt die Beziehung zwischen dem Versicherungsnehmer und dem Bezugsberechtigten.
  • Der Bezugsberechtigte darf nur dann die Versicherungsleistung dauerhaft behalten, wenn zwischen Versicherungsnehmer und dem Bezugsberechtigten ein wirksames Rechtsverhältnis besteht.
  • Rechtsgrund für die Zuwendung durch den Erblasser an den Begünstigten ist in der Regel eine Schenkung.
    • Der Schenkungsvertrag bedarf der notariellen Beurkundung. Ist eine notarielle Beurkundung nicht erfolgt, kommt der Vertrag erst mit der Bewirkung der
    • versprochenen Leistung zustande. (Schenkungsvollzug). Bei Verträgen zugunsten Dritter erfolgt ein Vollzug bereits dadurch, dass der Dritte den Schenkungsanspruch, hier den Auszahlungsanspruch gegen die Versicherung, erwirbt.
    • Bei der Bestimmung der Bezugsberechtigung handelt es sich also zunächst um ein Schenkungsangebot. Der Versicherungsnehmer beauftragt die Versicherung konkludent das Schenkungsangebot dem Begünstigten im Falle seines Todes mitzuteilen.
    • Die Annahme des Schenkungsangebots durch den Begünstigten erfolgt konkludent mit dem Erwerb des Auszahlungsanspruchs und einer erkennbaren Äußerung des Annahmewillens, z.B. der Anforderung der Versicherungsleistung. Einer Erfüllung bedarf es nicht.
  • Neben der Schenkung kommen aber auch andere Rechtsgründe in Betracht, wie bspw. eine Pflichtschenkung, Vergütung von Diensten, Leistung von Unterhalt, Altersabsicherung oder unbenannte/ ehebezogene Zuwendungen.
  • Es kann auch passieren, dass der Rechtsgrund zu einem späteren Zeitpunkt wegfällt, z.B. bei Änderung der tatsächlichen Verhältnisse, und dadurch ein Rückforderungsanspruch der Erben entsteht.

II. Widerrufsmöglichkeiten der Erben bei einem Schenkungsangebot

Im Folgenden werden die Rechtsbeziehungen bei einem Widerruf eines Schenkungsvertragsangebots dargelegt:

Die Erben können unter den nachfolgend genannten Bedingungen widerrufen

  • gegenüber der Versicherung: den Auftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots (Deckungsverhältnis) (1.)
  • gegenüber dem Begünstigten/ Bezugsberechtigten: das Schenkungsangebot des Erblassers (Valutaverhältnis) (2.)

Beachte

Wenn Du und Deine Miterben die Begünstigung widerrufen wollt, solltet Ihr schnell handeln!

Ihr solltet vorsorglich unverzüglich

  • den Auftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots gegenüber der Versicherung widerrufen, sowie
  • das Schenkungsangebot gegenüber dem Bezugsberechtigten widerrufen,

da die Schenkung mit der Annahme des Schenkungsangebots durch den Begünstigten wirksam wird und damit der Widerruf des Schenkungsangebots durch die Erben nicht mehr möglich ist.

Bitte beachte jedoch: War dem Erblasser die Begünstigung wichtig und ist zu befürchten, dass er entsprechende Druckmittel im Testament vorgesehen hat, z.B. die auflösende Bedingung der Erbeinsetzung (selten), ist eine Abwägung der Optionen erforderlich. Ein Widerruf nach Eröffnung des Testaments ist jedoch aller Voraussicht nach zu spät.

1. Widerruf des Auftrags zur Übermittlung des Schenkungsangebots gegenüber der Versicherung

  • Die Erben als Rechtsnachfolger können den Auftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots gegenüber der Versicherung widerrufen, es sei denn, der Versicherungsnehmer hat dem Bezugsberechtigten ein unwiderrufliches Bezugsrecht eingeräumt.
  • Allerdings wird die Versicherung – sobald sie von dem Todesfall erfährt – in der Regel den Begünstigten unverzüglich benachrichtigen und die Schenkung wird mit der Annahme des Schenkungsangebots durch den Begünstigten wirksam.
  • Im Endeffekt handelt es sich um einen Wettlauf zwischen den Erben (bzgl. des Widerrufs) und der Versicherung (bzgl. der Unterrichtung des Begünstigten).
  • In der Praxis sind die Erben meist zu spät. Darüber hinaus lehnt die Versicherung in der Regel ab, von der Benachrichtigung des Bezugsberechtigten abzusehen oder weigert sich den Namen des Bezugsberechtigten zu nennen.

2. Widerruf des Schenkungsangebots gegenüber dem Bezugsberechtigten

Die Erben können das Schenkungsangebot des Erblassers an den Begünstigten widerrufen, solange dieser von seiner Begünstigung noch nichts weiß, da es an der Annahme des Schenkungsangebots fehlt. Die Erben können das erworbene Recht aus dem Vertrag zurückfordern.

Mit dem Erwerb des Leistungsanspruchs durch den Begünstigten wird die Schenkung wirksam. Ein Widerruf durch die Erben ist nicht mehr möglich.

Es kann aber auch ein anderer Rechtsgrund dem Verhältnis zwischen Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigtem zugrunde liegen, wie bspw. eine Pflichtschenkung, Vergütung von Diensten, Leistung von Unterhalt, Altersabsicherung oder unbenannte/ ehebezogene Zuwendungen. Die Beurteilung, ob ein wirksamer Rechtsgrund vorliegt, kann im Einzelfall schwierig sein.

Rechtsrat einholen

In dieser Situation kann rechtlicher Beistand sinnvoll sein.

III. Anspruch der Erben auf Rückforderung gegen den Bezugsberechtigten

Gibt es keinen rechtlichen Grund für die Begünstigung oder ist der Rechtsgrund unwirksam fällt der Anspruch in den Nachlass und die Erben können folgenden Rückforderungsanspruch gegen den Bezugsberechtigten geltend machen:

  • Abtretung des Auszahlungsanspruchs gegen die Versicherung, oder
  • Herausgabe der Versicherungsleistung, wenn die Versicherungssumme bereits ausgezahlt wurde

Dabei kann jeder Miterbe die Leistung an alle Erben fordern und der Verpflichtete kann nur an alle Erben gemeinschaftlich leisten.

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