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Erbe sein - Rechte und Pflichten

Was heißt Erben durch Testament?

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Allgemein

Ein Testament des Erblassers kann je nach Ausgestaltung des Testaments und abhängig von der familiären Situation die Vermögensnachfolge vereinfachen oder erbitterte Streitigkeiten nach sich ziehen.

Grundsätze

Der Erblasser kann in seinem Testament frei bestimmen, wen er als Erben einsetzt, wem er ein Vermächtnis zuteil werden lässt, wie sein Vermögen aufgeteilt werden soll und welche Auflagen bzw. Bedingungen er stellt.

Eine Grenze besteht darin, dass engste Personen aus dem Familienkreis, wie die Kinder oder der Ehepartner einen ‚Mindestanspruch‘ auf das Erbe haben, den sog. Pflichtteil. Hat der Erblasser diese Personen, die ‚Pflichtteilsberechtigten‘, in seinem Testament nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt, können diese einen Anspruch gegen die Erben geltend machen.

Je nach Testament bestehen unterschiedliche Vorgehensweisen …

Tipp

Wo finde ich das Testament?
Das Testament kann sich befinden

  • in den Unterlagen des Verstorbenen
  • beim Nachlassgericht, wenn es vom Erblasser zu Lebzeiten oder vom Notar in amtliche Verwahrung gegeben wurde
  • bei einer Person, dem es der Erblasser anvertraut hat.

Arten der letztwilligen Verfügung

1. Einzeltestament

Das Einzeltestament kann entweder in privatschriftlicher Form (eigenhändiges Testament) oder in öffentlicher Form (öffentliches Testament) errichtet werden. In einem eigenhändigen Testament hat der Verstorbene handschriftlich dargelegt und unterschrieben, wie sein Nachlass aufgeteilt werden soll.

Beachte

Das Testament muss im Todesfall beim Nachlassgericht abgegeben werden!

Wird das Testament nicht beim Nachlassgericht abgegeben, droht demjenigen eine Strafanzeige wegen Urkundenunterdrückung sowie dadurch ggf. eine Erbunwürdigkeitsklage (mit der Konsequenz, dass derjenige als erbunwürdig gilt und dann nichts von dem Erbe bekommt).

Ein öffentliches Testament kann entweder durch mündliche Erklärung vor dem Notar oder durch Übergabe einer (offenen oder verschlossenen) Schrift an den Notar errichtet werden. Bei einer mündlichen Erklärung muss der Notar eine Niederschrift aufnehmen, die dem Erblasser vorgelesen, von diesem genehmigt und eigenhändig unterschrieben werden muss. Das öffentliche Testament wird in besondere amtliche Verwahrung des Amtsgerichts gegeben.

2. Gemeinschaftliches Testament unter Ehegatten

Das gemeinschaftliche Testament unter Ehegatten kann entweder in privatschriftlicher Form (eigenhändiges Testament) oder in öffentlicher Form (öffentliches Testament) errichtet werden. In einem eigenhändigen Testament haben die Ehegatten handschriftlich dargelegt und unterschrieben, wie ihr jeweiliger Nachlass aufgeteilt werden soll.

Beachte

Das Testament muss im Todesfall beim Nachlassgericht abgegeben werden!

Wird das Testament nicht beim Nachlassgericht abgegeben, droht demjenigen eine Strafanzeige wegen Urkundenunterdrückung sowie dadurch ggf. eine Erbunwürdigkeitsklage (mit der Konsequenz, dass derjenige als erbunwürdig gilt und dann nichts von dem Erbe bekommt).

Ein öffentliches Testament kann entweder durch mündliche Erklärung vor dem Notar oder durch Übergabe einer (offenen oder verschlossenen) Schrift an den Notar errichtet werden. Bei einer mündlichen Erklärung muss der Notar eine Niederschrift aufnehmen, die den Ehepartnern vorgelesen, von diesen genehmigt und eigenhändig unterschrieben werden muss. Das öffentliche Testament wird in besondere amtliche Verwahrung des Amtsgerichts gegeben.

3. Erbvertrag

Der Erbvertrag muss notariell beurkundet werden. Die Vertragspartner haben Anordnungen im Hinblick auf die Vermögensnachfolge getroffen. Der notariell beurkundete Erbvertrag wird in besondere amtliche Verwahrung des Amtsgerichts gegeben.

Arten der letztwilligen Verfügung

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Eröffnung des Testaments

Wie wird das Testament eröffnet?

Nachdem das Nachlassgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen (in Ba-Wü das Notariat) vom Standesamt oder vom Deutschen Testamentsregister vom Tod des Erblassers erfahren hat, leitet es das Nachlassverfahren ein. Ein in amtlicher Verwahrung befindliches oder ein dem Gericht übergebenes Testament wird eröffnet.

Mit der Testamentseröffnung werden die gesetzlichen Erben und alle am Nachlass beteiligte Personen informiert.

Die Testamentseröffnung kann so erfolgen, dass das Nachlassgericht einen förmlichen Eröffnungstermin bestimmt und alle Beteiligten dazu zur Teilnahme einlädt (eine Pflicht der Ladung nachzukommen besteht nicht) oder den Beteiligten eine Abschrift der letztwilligen Verfügung übersendet.

Im Eröffnungstermin wird der Inhalt des Testaments verkündet, dazu können Anmerkungen über die Echtheit der Urkunde, die eventuelle Ausschlagung der Erbschaft, eine mögliche Erbauseinandersetzung oder die Grundbuchberichtigung bei Immobilienbesitz gemacht werden.

Eine rechtliche Bewertung des Inhaltes der letztwilligen Verfügung erfolgt nicht. Will ein Erbe den letzten Willen des Erblassers nicht anerkennen, ist es seine Aufgabe, eine Passage gerichtlich überprüfen zu lassen. Beteiligten, die bei der Testamentseröffnung nicht anwesend waren, hat das eröffnende Gericht den Inhalt des Testaments mitzuteilen.

Die Testamentseröffnung wird in einer Niederschrift dokumentiert.

Hinweise

Das Nachlassgericht lädt zur Testamentseröffnung nur diejenigen Personen ein, von deren Existenz und Erreichbarkeit es Kenntnis hat. Es gibt keine Verpflichtung von Amts wegen Ermittlungen anzustellen, welche Personen im Übrigen als gesetzliche Erben in Betracht kommen oder irgendwelche Rechte am Nachlass haben können.

Es bleibt jedem Erben überlassen, einen Erbschein zu beantragen oder vermeintliche Rechte am Nachlass gerichtlich geltend zu machen.

Fand bei dem Nachlassgericht eine Testamentseröffnung statt, kann jeder, der ein rechtliches Interesse an der Einsicht glaubhaft macht, das Testament einsehen. Ein rechtliches Interesse ist dann begründet, wenn der Antragsteller darauf angewiesen ist, von dem Inhalt der letztwilligen Verfügung Kenntnis zu nehmen, um eigene Rechte am Nachlass geltend zu machen.

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Wirksamkeit des Testaments

Quickcheck zur Wirksamkeit des Testaments

Testament wurde vom Erblasser eigenhändig handschriftlich geschrieben.

Nicht wirksam ist ein am Computer geschriebenes Testament.

Testament wurde vom Erblasser unterschrieben.

Dies dient zur Feststellung der Urheberschaft und zur Klarstellung, dass es sich um eine abgeschlossene Erklärung handelt.

Erblasser hat den Willen eine erbrechtlich verbindliche Erklärung abzugeben.

Der Erblasser ist testierfähig.

Das Testament ist nicht wirksam, wenn der Erblasser nicht in der Lage war, die Bedeutung der seiner Willenserklärung einzusehen und danach zu handeln

Testament ist nicht sittenwidrig.

In sehr seltenen Ausnahmen kann ein Testament sittenwidrig sein.

Es handelt sich um das letzte Testament.

Ein früheres Testament wird durch ein späteres Testament insoweit aufgehoben, als es mit ihm in Widerspruch steht.

Testierender darf sich nicht vertreten lassen

Keine Verfügung zugunsten Heimbediensteter.

 

Sind die genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, besteht die Möglichkeit, dass das Testament unwirksam ist. Selbst wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, gibt es noch weitere Fälle nach denen das Testament unwirksam sein könnte. =>  ggf. §§- Rechtsrat beim Rechtsanwalt

IST DAS TESTAMENT UNWIRKSAM GILT DIE GESETZLICHE ERBFOLGE

 

WIE MACHE ICH MEINE ZWEIFEL AN DER WIRKSAMKEIT DES TESTAMENTS GELTEND?

Was Du wissen solltest

80 % der eigenhändigen Testamente sind unwirksam. (Quelle: …)

Ist das Testament unwirksam gilt die gesetzliche Erbfolge.

Wie mache ich meine Zweifel an der Wirksamkeit des Testaments geltend?

Das Nachlassgericht muss die Gültigkeit des Testaments von Amts wegen ermitteln, wenn ein Erbscheinantrag gestellt wird (§ 2358 BGB; § 26 FamFG)

Grundsatz ist: wer aus einer Verfügung ein Erbrecht für sich herleitet, trägt die Beweislast für den erbrechtlichen Charakter der Erklärung.
Bei Zweifel an Echtheit und Eigenhändigkeit: Anhörung von Zeugen, Anfordern von Vergleichsschriften, Gutachten von Schriftsachverständigen
Bei Zweifel an Testierfähigkeit: Anhörung von Zeugen, Gutachten eines Sachverständigen

Was Du wissen solltest
Ist das Testament unwirksam greift die gesetzliche Erbfolge.

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Inhalt & Auslegung

Wie wird das Testament ausgelegt?

Oft ist ein Testament unklar oder missverständlich formuliert, dann bedarf es der Auslegung nach dem wirklichen Willen des Erblassers.
Es gilt die Auslegungsregel, dass Erbeinsetzung vorliegt, wenn der Erblasser sein Vermögen oder einen Bruchteil seines Vermögens dem Bedachten zugewendet hat (§ 2087 Abs. 1 BGB).
Die in der Praxis häufige Erbeinsetzung nach Vermögensgruppen („X soll die Grundstücke (Wert: 500 TEUR), Y die Wertpapiere (Wert: 250 TEUR erhalten“) ist i.d.R. eine Erbeinsetzung nach Vermögensbruchteilen mit einer Teilungsanordnung, d.h. Erbeinsetzung 2/3 zu 1/3.

Rechtsrat einholen

Die Auslegung eines Testaments ist schwierig. Gibt es Diskrepanzen bei der Auslegung lohnt es sich ggf. einen Rechtsrat einzuholen.

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Möglichkeiten gegen das Testament vorzugehen

Bei Zweifeln an der Wirksamkeit des Testaments gibt es mehrere Möglichkeiten dagegen vorzugehen:

I. Über das Erbscheinverfahren

Zweifel an der Wirksamkeit des Testaments kannst Du beim Nachlassgericht geltend machen

Das Nachlassgericht muss die Gültigkeit des Testaments von Amts wegen ermitteln, wenn ein Erbscheinantrag gestellt wird (§ 2358 BGB; § 26 FamFG)

Grundsatz ist: wer aus einer Verfügung ein Erbrecht für sich herleitet, trägt die Beweislast für den erbrechtlichen Charakter der Erklärung.

Bei Zweifel an Echtheit und Eigenhändigkeit: Anhörung von Zeugen, Anfordern von Vergleichsschriften, Gutachten  von Schriftsachverständigen

Bei Zweifel an Testierfähigkeit: Anhörung von Zeugen, Gutachten eines Sachverständigen

Was Du wissen solltest

Ist das Testament unwirksam greift die gesetzliche Erbfolge.

II. Anfechtung des Testaments

  • Die Auslegung geht der Anfechtung vor.
  • Zur Anfechtung berechtigt ist derjenige, dem der Wegfall des Testaments unmittelbar zustatten kommen würde (§ 2080 BGB) (z.B. der gesetzliche Erbe, wenn eine fremde Person als Erbe eingesetzt wurde)
  • Die Anfechtung erfolgt, indem der Anfechtende dem örtlich zuständigen Nachlassgericht die Anfechtungserklärung übermittelt oder sie dort zu Protokoll gibt (§ 2081 BGB).
  • Das Gericht nimmt die Erklärung ohne nähere Überprüfung zu den Akten; erst wenn ein Erbscheinsverfahren eingeleitet wird, wird vom Nachlassgericht geprüft, ob die Anfechtung durchgreift.
  • Wahrung der Anfechtungsfrist: ein Jahr ab Erlangen der Kenntnis vom Anfechtungsgrund (§ 2082 BGB)
  • Vorliegen eines Anfechtungsgrundes
    • Testament kam widerrechtlich durch Drohung zustande (§ 2078 Abs. 2 BGB)
    • Testament kam durch irrige Annahme eines (vergangenen) Umstandes zustande (§ 2078 Abs. 2 BGB)
    • Testament kam durch irrige Erwartung des Eintritts oder Nichteintritts eines (zukünftigen) Umstandes zustande, also Umstände wurden nicht bedacht (§ 2078 Abs. 2 BGB) (Motivirrtum)
    • Erblasser irrt sich über die Bedeutung der Erklärung, hat sich verschrieben, wollte überhaupt kein Testament errichten (§ 2078 Abs. 1 BGB)
    • Pflichtteilsberechtigter wurde übergangen, da Vorhandensein dem Erblasser unbekannt war oder er wurde erst nach Testamentserrichtung geboren (§ 2079 BGB)
  • Der Irrtum des Erblassers muss ursächlich (zumindest mitursächlich) für die Abfassung des Testaments gewesen sein.
  • Der Beweis für den Anfechtungsgrund ist vom Anfechtenden zu führen. Beim Motivirrtum werden strenge Anforderungen gestellt.
  • Folge der erfolgreichen Anfechtung ist, dass der vom Irrtum betroffene Teil des Testaments unwirksam ist (§ 142 Abs. 1 BGB). Dann gelten entweder frühere Testamente oder bisher unwirksame spätere Verfügungen; andernfalls tritt gesetzliche Erbfolge ein.

Was Du wissen solltest

Ist das Testament unwirksam greift die gesetzliche Erbfolge.

Rechtsrat einholen

In dieser Situation empfiehlt es sich, Rechtsrat einzuholen.

Toolset

Hinweise

Beispiel

Der Erbe beauftragt einen Handwerker das Dach des zum Nachlass gehörenden Hauses zu reparieren. Während der Erbe einerseits für die Erbengemeinschaft handelt, da es sich um eine Maßnahme ordnungsgemäßer Verwaltung handelt, ist der Erbe gleichzeitig auch Vertragspartner geworden. Der Handwerker ist dann sowohl Nachlassgläubiger als auch persönlicher Gläubiger des Erben.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Haftung bis zur Teilung der Erbschaft

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Frist

Das Erbe kann nur innerhalb einer Frist von 6 Wochen ausgeschlagen werden! Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Erbe annehmen oder ausschlagen„.

Hast Du die Frist verpasst, besteht die Möglichkeit die Annahme anzufechten. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Annahme anfechten„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Optionen

Das Erbe kann nur innerhalb einer Frist von 6 Wochen ausgeschlagen werden! Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Erbe annehmen oder ausschlagen„.

Hast Du die Frist verpasst, besteht die Möglichkeit die Annahme anzufechten. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Annahme anfechten„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Tipp

Die grundsätzlich unbeschränkte Erbenhaftung ist unter bestimmten Voraussetzungen beschränkbar. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Wie kann ich die Haftung auf den Nachlass begrenzen?„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Der Erbe trägt die Kosten … Mehr zu dem Thema findest Du im Reiter „Totenfürsorge & Bestattung„.

Expertentipp

Beachte

Die grundsätzlich unbeschränkte Erbenhaftung ist unter bestimmten Voraussetzungen beschränkbar. Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter „Wie kann ich die Haftung auf den Nachlass begrenzen?„.

2. Ordnungsgemäße, außerordentliche und notwendige Verwaltungsmaßnahmen im Einzelnen

2.1 Ordnungsgemäße Verwaltungsmaßnahme

Rechtsrat einholen

Die Abgrenzung zwischen den Verwaltungsmaßnahmen (außerordentlich, ordnungsgemäß und notwendig) und damit verbunden der Umfang der Mitbestimmungsrechte ist nicht immer eindeutig. Sind sich die Erben bei wesentlichen Maßnahmen nicht einig, lohnt es sich in Zweifelsfällen einen Rechtsanwalt zu befragen.

Expertentipp

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