Du bist hier: Alleinerbe aufgrund von Testament

Erbe sein - Rechte und Pflichten

Wie erkenne ich die Vermögenssituation?

Kontoauszüge & weitere Unterlagen

Um herauszufinden, wie die Vermögenssituation des Verstorbenen ist, welche Ansprüche und Verbindlichkeiten vorhanden sind und welche Zahlungen weiterhin zu leisten sind, solltest Du alsbald die Unterlagen des Verstorbenen (auch auf dem PC, Smartphone, Tablet und/ oder USB-Stick) sichten. Insbesondere relevant sind Kontoauszüge über ein Jahr, abgelegte Unterlagen, Verträge, Briefe, E-Mails sowie Steuerunterlagen.

Kontoauszüge – ein erster Überblick über die Vermögenssituation

Die Kontoauszüge über ein Jahr geben Auskunft darüber, welche laufenden Einkünfte und insbesondere Ausgaben (monatliche/ jährliche Zahlungen) der Erblasser hatte und den aktuellen Kontostand.

Dadurch hast Du einen ersten Anhaltspunkt, welche Ansprüche und Verbindlichkeiten vorhanden sind und welche Zahlungen weiterhin zu leisten sind (wie z.B. Darlehenstilgungen, Steuervorauszahlungen, Unterhaltszahlungen)

Mehr zu dem Thema findest Du im nächsten Reiter unter ‚Wege an Kontoauszüge zu gelangen‘.

Verträge, Schriftverkehr & E-Mails

In Verträgen, Ordnern, Briefen, Speichermedien (wie Computer, USB-Sticks, etc.) und E-Mails findest Du weitere Informationen darüber, welche Ansprüche und Verbindlichkeiten es gibt.

Zu Verbindlichkeiten zählen (Raten-) Kreditverträge/Schuldanerkenntnisse (z.B. Unterhaltsverpflichtungen), vertragliche Leistungsverpflichtungen u.v.m. Mahnungen, Vorladungen u.ä. geben Anlass zur Besorgnis.

Frist

Sollte sich die Vermögenssituation so darstellen, dass der Nachlass überschuldet ist (die Verbindlichkeiten sind höher als die Vermögenswerte), so solltest Du Dich immer fragen, ob es nicht sinnvoller ist, das Erbe auszuschlagen. Hierbei ist aber insbesondere die Ausschlagungsfrist zu bedenken, sodass es gerade in dieser Hinsicht wichtig ist, sich möglichst schnell einen sicheren Überblick über die Vermögenssituation zu verschaffen.

Willst Du das Erbe ausschlagen, musst Du das innerhalb einer Frist von sechs Wochen tun.

Lebte der Verstorbene im Ausland oder hält sich der Erbe außerhalb von Deutschland auf, verlängert sich die Ausschlagungsfrist auf 6 Monate.

Mehr zu dem Thema findest Du unter dem Reiter ‚Erbe ausschlagen‘.

Tipp

Hast Du die Erbschaft angenommen und stellt sich später heraus, dass Du Dich z.B. darüber geirrt hast, dass Schulden vorliegen oder auch bei anderen Gründen (wie Inhalts- oder Eigenschaftsirrtum, Täuschung oder Drohung), kann eine Anfechtung der Annahme der Erbschaft sinnvoll sein.

Die wirksame Anfechtung der Annahme der Erbschaft gilt als Ausschlagung.

Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Annahme anfechten‘.

Wege an Kontoauszüge zu gelangen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten an die Kontoauszüge des Verstorbenen zu gelangen:

1. Wohnung des Verstorbenen

Am einfachsten ist es, wenn Du Zugang zur Wohnung hast, dann kannst Du dort nach abgelegten Kontoauszügen suchen. Vielleicht kennst Du auch die Zugangsdaten und Passwörter zum Computer des Erblassers oder findest diese in der Wohnung und kannst Dich bei der jeweiligen Bank einloggen oder vielleicht hat der Erblasser Kontoauszüge auf seinem Computer gespeichert.

2. General-, Vorsorge- oder Bankvollmacht über den Tod hinaus

Wurde Dir vom Erblasser zu Lebzeiten eine unbefristete General- oder Vorsorgevollmacht oder eine unbefristete Bankvollmacht erteilt, bist Du berechtigt, im Rahmen der Dir eingeräumten Befugnisse durch den Erblasser, über seinen Tod hinaus zu handeln. In der Regel ist der Zugriff auf die Konten und die Kontoauszüge von der erteilten Vollmacht umfasst.

Wenn Du selbst keine Vollmacht hast, aber eine Person eine Vollmacht hat, die in Deinem Interesse tätig wird, kannst Du auch über diese Person Einblick in die Unterlagen gewinnen.

Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Als Erbe handeln/ Wie kann ich handeln?‘.

3. Auskunftsanspruch des Erben gegen die kontoführende Bank

Als Erbe hast Du einen Auskunftsanspruch gegen die kontoführende Bank, benötigst aber, als Nachweis Deiner Erbenstellung in der gesetzlichen Erbfolge einen Erbschein.

Beachte

Der Erbschein sollte dann nicht beantragt werden, wenn die Entscheidung noch aussteht, ob das Erbe angenommen oder ausgeschlagen werden soll, da in der Beantragung des Erbscheins die Annahme der Erbschaft durch schlüssiges Verhalten gesehen wird.

Das kann u.U. dazu führen, dass Du in die missliche Situation gerätst entscheiden zu müssen, ob Du das Erbe ausschlägst, ohne den Kontenstand vorher in Erfahrung gebracht zu haben. Umso wichtiger ist es insoweit an Hand von Indizien zu erkennen, ob der Erblasser hoch verschuldet ist und der Nachlass kein verwertbares Vermögen umfasst. Unbezahlte Rechnungen, mehrfache Mahnungen, keine Erkenntnisse über laufende Einkünfte deuten auf solch eine Situation hin. Ggf. lohnt es sich beim Vermieter nachzufragen, ob die Mieten regelmäßig gezahlt wurden.

4. Auskunftsrechte des Erben gegen die Hausgenossen

Als Erbe hast Du Auskunftsrechte gegen Hausgenossen des Erblassers. Der Hausgenosse des Erblassers hat Auskunft darüber zu erteilen, welche erbschaftlichen Geschäfte er geführt hat (also inwieweit er hinsichtlich des Nachlasses tätig geworden ist) und was ihm über den Verbleib von Erbschaftsgegenständen und möglichem Wertersatz bekannt ist.

Tipp

Hast Du Zweifel an der Vollständigkeit und Richtigkeit der getätigten Angaben des Hausgenossen, kannst Du als Erbe verlangen, dass er die Vollständigkeit der in der Auskunft gemachten Angaben eidesstattlich versichert.

Du bist hier: Erbengemeinschaft nach gesetzlicher Erbfolge

Jetzt starten!