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Als Erbe handeln

Erblasser-Vollmachten widerrufen

Vollmachten des Erblassers widerrufen

Befürchtest Du, dass eine vom Erblasser zu Lebzeiten erteilte Vollmacht von dem Bevollmächtigten mißbraucht werden könnte, solltest Du umgehend handeln.

I. Grundlagen

1. Wirkung einer Vollmacht

Der Erblasser kann zu Lebzeiten Dritten eine Generalvollmacht für alle Rechtsgeschäfte oder eine Einzelvollmacht für bestimmte Rechtsgeschäfte erteilen. Wurde die Vollmacht unbefristet erteilt, kann der Bevollmächtigte im Rahmen der ihm eingeräumten Befugnisse über den Tod des Erblassers hinaus – unabhängig vom Willen des Erben – rechtsgeschäftlich tätig werden.

Bei einer unbefristeten Generalvollmacht kann er in der Regel alle Rechtsgeschäfte vornehmen, wie ursprünglich der Erblasser zu Lebzeiten, bspw. Verträge abschließen oder unentgeltlich über Nachlassgegenstände verfügen. Die Wirkungen seines Handelns treten dann bei dem Erben ein.

Hinweise

  • Du solltest prüfen, ob der Erblasser zu Lebzeiten Dritten Vollmachten erteilt hat und falls ja, in welchem Umfang.
  • Eine bestehende Vollmacht sollte darauf überprüft werden, ob sie wirksam ist. Die Vollmacht könnte unwirksam sein, wenn diese z.B. vom Erblasser zu Lebzeiten widerrufen worden ist oder ernste Zweifel an der Geschäftsfähigkeit des Erblassers im Zeitpunkt der Vollmachtserteilung bestanden.
  • Hat der Bevollmächtigte trotz unwirksamer Vollmacht im Namen des Erblassers gehandelt, kommt eine Haftung (Vertretung ohne Vertretungsmacht) in Betracht.

2. Unwiderruflich erteilte Vollmacht

Hat der Erblasser zu Lebzeiten auf das Widerrufsrecht verzichtet, können die Erben die Vollmacht nur noch aus wichtigem Grund widerrufen.

Allerdings solltest Du prüfen, ob der Verzicht auf das Widerrufsrecht wirksam ausgeschlossen werden konnte. Nicht möglich ist dies bspw. bei

  • einer Generalvollmacht,
  • einer Vollmacht, die ausschließlich im Interesse des Erblassers erteilt worden ist,
  • einer Vollmacht, der keine Kausalvereinbarung zugrunde liegt,
  • einem einseitigen Verzicht durch den Erblasser.

Rechtsrat einholen

Zu Fragen, ob die Vollmacht wirksam erteilt oder ob auf das Widerrufsrecht wirksam verzichtet wurde, lohnt es sich ggf. Rechtsrat einzuholen.

II. Kann ich Vollmachten (z.B. Bank- oder Vorsorgevollmachten), die der Erblasser Dritten zu Lebzeiten erteilt hat, widerrufen?

1. Widerruf in der Regel jederzeit möglich

Der Erbe kann eine bestehende Vollmacht eines Dritten jederzeit ganz oder teilweise widerrufen, da das Widerrufsrecht beim Tod des Erblassers auf den Erben übergeht. Die wirksame unwiderruflich erteilte Vollmacht kann nur bei einem wichtigen Grund widerrufen werden.

Der Widerruf sollte sowohl gegenüber dem Bevollmächtigten als auch gegenüber dem Dritten, dem gegenüber die Vertretung stattfindet, z.B. Geschäftspartner, erklärt werden.

Beachte

Vollmacht widerrufen!

Wenn Du die Vollmacht widerrufen willst, solltest Du schnell handeln!
Du solltest vorsorglich unverzüglich den sofortigen Widerruf der Vollmacht erklären

  • gegenüber dem Bevollmächtigten, sowie
  • gegenüber denjenigen, denen gegenüber die Vertretung stattfindet, z.B. Geschäftspartnern des Erblassers,

um einen möglichen Missbrauch der Vollmacht durch den Bevollmächtigten zu verhindern.

Hinweis

Der Vollmachtswiderruf sollte per Einschreiben mit Rückschein versendet werden, um den Zugang nachweisen zu können.

2. Nachweis der Erbenstellung

  • Grundsätzlich benötigt ein Erbe für den Widerruf einer postmortalen Vollmacht keinen Erbschein oder einen anderen Nachweis seiner Erbenstellung.
  • Allerdings gibt es Unternehmen, die entsprechend ihrer Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einen Nachweis der Erbenstellung fordern, z.B. die Banken. Mehr zu dem Thema Bank findest Du unter ‚Ansprüche rund um die Bank‘.

Tipps

Wenn Du befürchtest, dass die Vollmacht durch den Bevollmächtigten missbraucht werden könnte, empfiehlt es sich die Vollmacht so schnell wie möglich zu widerrufen, um mögliche Nachteile abzuwenden.

Fordert der Vertragspartner entsprechend seiner AGB einen Nachweis der Erbenstellung und ist die Klausel wirksam, solltest Du unverzüglich einen Erbschein beantragen und unmittelbar nach Erhalt eine beglaubigte Abschrift des Erbscheins nachreichen. Mehr zu dem Thema findest Du unter ‚Handeln als Erbe‘ und ‚Brauche ich einen Erbschein?‘.

Ist der Erbschein erforderlich, könntest Du – da es oft einige Monate dauert, bis der Erbschein ausgestellt ist – parallel ggf. weitere Sicherungsmaßnahmen (wie z.B. Nachlasssicherung, Nachlassverwaltung oder eine einstweilige Verfügung gegen den Bevollmächtigten) einleiten.

Rechtsrat einholen

  • Erkennt der Vertragspartner den Widerruf bis zur Einreichung des Nachweises der Erbenstellung nicht an und erleidest Du dadurch einen Schaden, empfiehlt es sich einen Rechtsanwalt einzuschalten, um zu prüfen, ob die Klausel in den AGB wirksam ist. Natürlich könntest Du die entsprechende Klausel auch überprüfen lassen, bevor Du einen Erbschein beantragst.
  • Ggf. lohnt es sich einen Rechtsanwalt einzuschalten, um weitere Sicherungsmaßnahmen (wie z.B. Nachlasssicherung, Nachlassverwaltung oder eine einstweilige Verfügung gegen den Bevollmächtigten) einzuleiten.

3. Erlöschen der Vollmacht

  • Nach dem Erlöschen der Vollmacht hat der Bevollmächtigte die Vollmachtsurkunde den Erben zurückzugeben oder die Erben können die Vollmachtsurkunde durch eine öffentliche Bekanntmachung für kraftlos erklären.  Der Bevollmächtigte kann dann keine auf die Vollmacht gestützten Rechtsgeschäfte mehr vornehmen.
  • Allerdings besteht die Vertretungsmacht gegenüber einem gutgläubigen Geschäftspartner weiter fort, bis ihm das Erlöschen der Vollmacht von den Erben angezeigt oder die Vollmacht ihm gegenüber widerrufen wird.

Hinweis

Die Vertretungsmacht besteht so lange fort, bis die Vollmachten an die Erben herausgegeben oder für kraftlos erklärt werden. Geschieht dies nicht, darf der gutgläubige Geschäftspartner auf das Fortbestehen der Vollmacht vertrauen.

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