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Steuern regeln

Was sind meine steuerlichen Pflichten?

Steuerliche Konsequenzen im Todesfall im Überblick

Der Tod des Erblassers führt zu zwei wesentlichen steuerlichen Konsequenzen

  1. Die Erben treten in die steuerlichen Pflichten des Erblassers ein sowie 
  2. Der Erbfall führt zu einem steuerpflichtigen Erwerb der Erben soweit persönliche und sachliche Steuerfreibeträge überschritten werden.

Nicht nur an die Erbschaftsteuer denken!

Im Erbfall denkt man oftmals als erstes an die Erbschaftsteuer und fragt sich vielleicht, ob und wie man eine entsprechende Steuererklärung abgeben muss. Als zweites stellt man dann fest, dass dies wegen der hohen Freibeträge in vielen Fällen oft nicht von großer Relevanz oder Schwierigkeit ist. 

Eher selten denkt man daran, dass ja auch der Erbe steuerliche Pflichten hatte, für die man als Erbe nunmehr unmittelbar und vollumfänglich einzustehen hat. Diese Pflichten enden nicht plötzlich mit dem Todesfall, sondern gehen auf die Erben über und bestehen fort und unterliegen in der Regel Fristen, die es einzuhalten gilt.  

Zudem übernimmt der Erbe die steuerliche Situation des Erben bzw. tritt in diese ein. Hatte der Erblasser ein Vermietungsgrundstück erzielt nunmehr auch der Erbe Vermietungseinkünfte und kann die laufende Abschreibung geltend machen.  

Eintritt in die steuerliche Stellung des Erblassers

Die Erben treten im Zeitpunkt des Erbfalls nicht nur zivilrechtlich sondern auch steuerlich in die „Fußstapfen“ des Erblasser.  Dies zeigt sich wie folgt:

  • Hat der Erblasser ein Gewerbe/freiberufliche Praxis, so erzielen auch die Erben ab dem Todeszeitpunkt Einkünfte aus Gewerbebetrieb/freiberufliche Einkünfte. Der Tod des Erblassers hat nicht automatisch die Aufgabe des Gewerbebetriebs/Praxis zur Folge, sondern führt u.U. nur zu einer vorübergehenden Einstellung. Die Entscheidung über eine Aufgabe liegt beim Erben.  Er kann das Unternehmen u.U. auch weiter fortführen. 
  • Sofern der Erblasser umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer war, so wird auch der Erbe umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer und hat damit einhergehende weitergehende Verpflichtungen (z.B. Abgabe monatlicher Umsatzsteuervoranmeldungen).
  • War der Erblasser Vermieter einer Immobilie, so erzielt nunmehr auch der Erbe Vermietungseinkünfte. Im Gegenzug stehen ihm aber auch sämtliche Aufwendungen (z.B. Abschreibungen) zu.

Eintritt in steuerliche Pflichten

So wie auch der Erbe in die steuerliche Stellung des Erblassers eintritt, so „erbt“ dieser auch die jeweiligen steuerlichen Verpflichtungen. Dazu gehören u.a. 

  • Verpflichtung zur Abgabe der Steuererklärungen für den Erblasser bis zu dessen Todestag (z.B. Einkommen-, Gewerbesteuer und/oder jährliche Umsatzsteuererklärung bzw. monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen).
  •  Verpflichtung zur Zahlung fälliger Steuern bzw. zukünftig noch festzusetzender Steuer (insbesondere Einkommen-, Gewerbe- oder Umsatzsteuer).  U.u. auch Lohnsteuer nebst Sozialversicherungsbeiträge, sofern der Erblasser einen Angestellten hatte (z.B. Minijobber als Garten- oder Haushaltshelfer oder private Pflegekraft). 
    • Wie bei anderen Schulden haftet der Erbe auch für Steuerverbindlichkeiten, die bis zum Erbfall entstanden sind. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Steuer schon festgesetzt wurde. D.h. für Steuern des Jahres in das der Erbfall fällt haftet der Erbe, auch wenn diese noch gar nicht festgesetzt wurden. Gleiches gilt aber auch für Vorjahre. Zu berücksichtigen ist aber, dass derartige Steuerverbindlichkeiten als Nachlassverbindlichkeiten bei der Ermittlung des Nachlasswertes mindernd zu berücksichtigen sind, sodass diese die Erbschaftsteuerschuld mindern. 
    • Überraschungen vermeiden: Wenn der Erblasser zahlreiche geschäftliche Aktivitäten hatte, könnten ungeahnte Überraschungen bei einer späteren Steuerfestsetzung den Erben erwarten, da die Steuern zeitversetzts erst 1-2 Jahre später festgesetzt werden. Sollten die steuerlichen Verhältnisse unklar sein, versuchen Sie diese mit dem Steuerberater des Erblassers umgehend zu klären, um im Notfall das Erbe noch ausschlagen zu können oder eine Nachlassverwaltung zu beantragen. 
  • Automatischer Eintritt in laufende steuerliche Verfahren (z.B. Einspruchs- oder Klageverfahren).
  • Möglichkeit der Teilnahme an steuerlichen Verfahren (z.B. Möglichkeit Einspruch oder Klage gegen ergangene Steuerbescheide; Antrag auf Änderung erfolgter Veranlagungen (sofern insoweit noch Änderungsmöglichkeiten verfahrensrechtlich möglich sind).

Hinweise

Die Wahrnehmung der steuerlichen Pflichten des Erblassers kann im Einzelfall unglaublich komplex sein, insbesondere wenn man keinen oder nur sehr geringen Einblick in die steuerliche Situation des Erblassers hatte. So schwierig dies emotional aber auch fachlich nach dem Erbfall ist, so ist es entscheidend, dass Du Dich umgehend über die steuerliche Situation sowie die hieraus erwachsenen Verpflichtungen informierst. Insbesondere wenn der Erblasser noch im Berufsleben stand und eine eigenes Geschäft/Praxis unterhielt sollte umgehend der Rat (s)eines Steuerberaters eingeholt werden um mit ihm die weiteren Schritte zu besprechen. 

An Hand der noch folgenden Checkliste kannst Du Dir einen ersten Überblick über die Situation und To Do’s verschaffen. Solltest Du hierbei manche der Fragen nicht beantworten können, so solltest Du einen Steuerberater um Rat fragen. 

Tipp

Sollten Dir keine ausreichenden Informationen vorliegen um einen ersten Einblick zu bekommen, dann empfehlen wir Dir das Finanzamt des Erblassers zu kontaktieren und um die Zusendung der letzten Steuerbescheide sowie eines aktuellen Kontoauszugs zu bitten. 

Auch solltest Du beim Finanzamt in Erfahrung bringen, welche Steuererklärungen noch abzugeben sind und ob laufende Verfahren anhängig sind. Die Mitarbeiter beim Finanzamt sind in der Regel sehr hilfsbereit und geben Dir gerne Auskunft zumal ihnen dies selbst die zukünftige Behandlung des Falles erleichtern wird. 

Im nächsten Reiter erläutern wir Dir nunmehr genauer die einkommensteuerlichen Folgen, die auf dich als Erbe zukommen und wie Du diese angehen solltest.

Einkommensteuerliche Konsequenzen

Im Folgenden findest Du eine Übersicht über die einkommensteuerlichen Konsequenzen untergliedert je nach Einkunftsart des Erblassers. Da jeden Erben die einkommensteuerlichen Konsequenzen in jedem Fall treffen, die erbschaftsteuerlichen Konsequenzen sich aber oftmals lediglich auf die Anzeigepflicht erstreckt, möchten wir hier das Thema „einkommensteuerliche Verpflichtungen“ vorab behandeln. 

Im Vorfeld solltest Du daher klären, welche Einkünfte der Erblasser bis zum Erbfall erzielte. Hier unterscheidet man im Wesentlichen fünf Einkunftsarten.

  1. Einkünfte aus nicht-selbständiger Tätigkeit (Lohn/Gehalt)
  2. Einkünfte aus Kapitalvermögen
  3. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  4. Einkünfte aus gewerblicher/freiberuflicher Tätigkeit
  5. Sonstige Einkünfte (private Veräußerungsgewinne)

Warum ist dies von Bedeutung?

Zum einen ist dies für Dich wichtig, damit Du weißt, welche Einkünfte noch in der Steuererklärung des Erblassers zu berücksichtigen sind und welche sich bereits in Deiner Steuererklärung niederschlagen.  Da i.d.R. der Erblasser in einer anderen Progressionsstufe (seine Einkünfte unterliegen u.U. einem höheren oder niedrigeren Steuersatz) eingeordnet ist, kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer haben. Zum anderen führt der Erbfall zu weiteren steuerlichen Konsequenzen, dies es u.U. zu berücksichtigen gilt.

Grundsatz des steuerneutralen Vermögensübergangs

Vermögensgegenstände des Erblassers gehen unentgeltlich auf den Erben über. Es erfolgt grundsätzlich keine steuerpflichtige Realisation von Gewinnen (z.B. stille Reserven in Aktien oder Grundvermögen). Anders hingegen bei einem Verkauf nach dem Erbfall z.B. zur Begleichung von Erbfallschulden oder im Rahmen der Erbauseinandersetzung.

Da die Vermögensgegenstände unentgeltlich übergehen, stellt sich natürlich die Frage, was im Fall eines späteren Verkaufs geschieht. Entspricht der Verkaufspreis dann dem vollen Veräußerungserlös?

Beispiel

Der Erblasser hat vor 10 Jahren Aktien im Wert von 100 gekauft, die im Erbfall einen Wert von 1000 hatten. Erbschaftsteuerlich wird der Wert von 1000 zu Grunde gelegt, aber hier geht es ja um die Einkommensteuer und erst später um die Erbschaftsteuer. Wenn also der Erbe die Aktien für 900 verkauft, wie hoch ist der steuerpflichtige Gewinn? 900? Oder sogar ein Verlust?

Lösung: 800 wäre in diese Fall der Veräußerungsgewinn. Der Erbe führt die Anschaffungskosten des Erblasser (hier 100) einfach unverändert fort.

Da der Erwerb unentgeltlich ist, übernimmt der Erbe die Vermögensposition mit dem Wert, mit dem diese beim Erblasser „zu Buche“ steht. Gleiches gilt für Grundvermögen oder sonstigen Beteiligungen. Privatmögen wie z.B. der PKW oder Hausrat spielt hier keine Rolle, da ein späterer Verkauf i.d.R. steuerfrei ist. Handelt es sich um hohe Vermögenswerte (z.B. Kunstgegenstände, Oldtimer) sollte man sich vorab bei einem Steuerberater lieber einmal erkundigen.

Ein unentgeltlicher Übergang erfolgt auch auch für Betriebsvermögen (gewerbliches Unternehmen oder Freiberuflerpraxis) oder Anteilen an einer gewerblichen Personengesellschaft.

Auch sämtliche steuerlichen Attribute des Erblassers werden dem Erben mit dem Erbfall zugerechnet (z.B. Haltefristen bei Beteiligungen oder Grundbesitz; z.B. 10-jährige Haltefrist bei Grundvermögen nachdem ein Verkauf steuerfrei erfolgen kann; Haltefristen bei einbringungsgeborene Anteile, u.s.w.).

Beispiel

Der Erblasser besaß in Zeitpunkt des Erbfalls Anteile an einer Kapitalgesellschaft i.H.v. 0.8%, die der Erbe unmittelbar verkauft. Drei Jahre zuvor besaß der Erblasser noch 1.5% der Anteile.

Lösung: Obwohl der Erbe nur 0.8% der Beteiligung besitzt und verkauft hat unterliegt der Verkauf nicht der Abgeltungssteuer sondern dem Teileinkünfteverfahren, da dem Erben die Besitzzeiten des Erblassers angerechnet werden. Damit unterliegt der Verkauf nicht der 25%igen Pauschalbesteuerung sondern 60% des Veräußerungsgewinn ist mit dem individuellen Steuersatzes des Verkäufers zu versteuern. Welche Methode günstiger ist, hängt von der persönlichen steuerlichen Situation ab. Daher ist es vor dem Verkauf wichtig zu wissen, ob der Erblassers in der Vergangenheit weitere Anteile besaß. Nur so kann man die für sich ergebenen steuerlichen Konsequenzen bestimmen.

Einkünfte des Erblassers: Unmittelbar nach dem Erbfall erzielt nicht mehr der Erblasser, sondern sein Erbe nunmehr die Einkünfte und hat diese entsprechend in seiner Steuererklärung zu erklären (z.B. Einkünfte aus Kapitalvermögen/Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung/gewerbliche Einkünfte). Eine Ausnahme gilt lediglich für Einkünfte aus nicht-selbständiger Tätigkeit (Lohn/Gehalt). 

Da der Erwerb unentgeltlich ist, übernimmt der Erbe die Vermögensposition mit dem Wert, mit dem diese beim Erblasser „zu Buche“ steht. Gleiches gilt für Grundvermögen oder sonstigen Beteiligungen. Privatmögen wie z.B. der PKW oder Hausrat spielt hier keine Rolle, da ein späterer Verkauf i.d.R. steuerfrei ist. Handelt es sich um hohe Vermögenswerte (z.B. Kunstgegenstände, Oldtimer) sollte man sich vorab bei einem Steuerberater lieber einmal erkundigen.

Ein unentgeltlicher Übergang erfolgt auch auch für Betriebsvermögen (gewerbliches Unternehmen oder Freiberuflerpraxis) oder Anteilen an einer gewerblichen Personengesellschaft.

Auch sämtliche steuerlichen Attribute des Erblassers werden dem Erben mit dem Erbfall zugerechnet (z.B. Haltefristen bei Beteiligungen oder Grundbesitz; z.B. 10-jährige Haltefrist bei Grundvermögen nachdem ein Verkauf steuerfrei erfolgen kann; Haltefristen bei einbringungsgeborene Anteile, u.s.w.).

Einkünfte des Erblassers: Unmittelbar nach dem Erbfall erzielt nicht mehr der Erblasser, sondern sein Erbe nunmehr die Einkünfte und hat diese entsprechend in seiner Steuererklärung zu erklären (z.B. Einkünfte aus Kapitalvermögen/Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung/gewerbliche Einkünfte). Eine Ausnahme gilt lediglich für Einkünfte aus nicht-selbständiger Tätigkeit (Lohn/Gehalt). 

1. Einkünfte als Angestellter  

  • Durch den Tod wird das Arbeitsverhältnis automatisch beendet. Da dieses nicht durch den Erben fortgeführt wird, kann dieser auch nicht entsprechende Einkünfte ab dem Erbfall erzielen. Die bis zum Erbfall entstandenen Lohnansprüche (soweit diese noch nicht ausgezahlt wurden) sind nicht-selbständige Einkünfte des Erblassers und müssen in seiner Steuererklärung erklärt werden.

2. Kapitaleinkünfte (strenges Zuflussprinzip)

  • Grundsätzlich gilt bei Kapitaleinkünften (z.B. Zinsen, Dividenden oder auch Veräußerungsgewinnen) das Zuflussprinzip. Nur wenn diese dem Erblasser bis zum Erbfall zugeflossen sind, werden Sie diesem noch zugerechnet und müssen in dessen (des Erben) Steuererklärung auch erklärt werden.
  • Nach dem Erbfall zufließende Einkünfte sind dann bereits dem Erben zuzurechnen. Werden Zinsen oder Dividenden für Zeiträume bis zum Erbfall erst nach dem Erbfall gezahlt, werden diese dem Erben zugerechnet, auch wenn der zukünftige „Gewinn“ sich in der Zeit vor dem Erbfall angesammelt hat. Eine Anteile Aufteilung für den Zeitraum bis zum Erbfall erfolgt nicht.
  • Damit können folgende Nachteile verbunden sein:
    • Es kann zu einer Doppelbesteuerung dieser Zinsen mit Erbschaftsteuer (Berücksichtigung der bis zum Erbfall entstandenen (nicht nur zugeflossenen) Zinsansprüche) sowie mit Einkommensteuer beim Erben kommen. Dies wird jedoch akzeptiert, da die Zinsen beim Zufluss auch beim Erblasser der Einkommensteuer unterlägen hätten.
    • Der jährliche Freibetrag auf Kapitalerträge des Erblassers i.H.v. €801 kann für die Beträge nicht verwendet werden.
    • Die Einkünfte werden mit dem Steuersatz des Erben versteuert, der oftmals höher sein kann als der des Erblassers.
  • Ein vom Erblasser erteilter Freistellungsauftrag verliert mit dem Erbfall seine Gültigkeit. Der Erbe muss für Zinsen, die nach dem Erbfall zufließen einen eigenen Freistellungsauftrag gegenüber der Bank erteilen.

3. Grundbesitz

  • Bei Einkünften aus vermietetem Grundbesitz erfolgt ein zeitanteilige Aufteilung der Mieten bis zum Erbfall. 
  • Anschaffungsnahe Aufwendungen (Aufwendungen für größere Baumaßnahmen innerhalb von drei Jahren nach Erwerb) können nur vom Erben geltend gemacht werden, sofern dies auch durch den Erblasser hätte geltend gemacht werden können.
  • Abschreibungen des Erblassers (z.B. bei Grundvermögen) werden durch die Erben in gleicherweise fortgesetzt. Das gilt auch bei Sonderabschreibungen. 

4. Private Veräußerungsgeschäfte

  • Der Erbfall selbst ist keine Veräußerung. Haltefristen für eine etwaige Steuerbefreiung richten sich nach dem Erwerbszeitpunkt des Erblassers.

Beispiel

Hat der Erblasser z.B. Bitcoins zum 1.1 angeschafft und verstirbt er zum 1.10 des gleichen Jahres, so sollte der Erbe bis zum Ende des 1.1. Des Folgejahres warten, damit er diese u.U. steuerfrei verkaufen kann. 

5. Gewerbliche/Selbständig Einkünfte

Betrieb eines Einzelunternehmers

  • Auch wenn Erbe ursprünglich nicht unternehmerisch tätig ist, erzielt dieser ab dem Zeitpunkt des Erbfalls gewerbliche Einkünfte. Der Betrieb erlischt nicht automatisch mit dem Tod des Betriebsinhabers. Hierbei kommt es ausschließlich auf das spätere Verhalten des Erben an. 
  • Betriebsvermögen geht (für ertragsteuerliche Zwecke) steuerneutral auf den Erben über (unentgeltlicher Betriebsübergang). Dies gilt unabhängig davon, inwieweit Betriebsschulden vorhanden sind, die automatisch mit übergehen. 
  • Bis zum Todestag ist Gewinn/Verlust dem Erblasser, nach dem Todestag den Erben zuzurechnen. Bei bilanzierenden Unternehmen bedarf es der Erstellung einer Zwischenbilanz oder einer sachgerechten Schätzung zum Todeszeitpunkt, bei Erblassern, die ihre Einkünfte Mittels Einnahme- Überschussrechnung bestimmen, gilt das Zuflussprinzip. Somit erzielt der Erbe allein schon durch eine spätere Vereinnahmung von bereits ausgestellten Rechnungen gewerbliche Einkünfte (USt Abführung nicht vergessen).
  • Der Tod selbst führt nicht zu einer Betriebsaufgabe sondern lediglich zu einer Betriebsunterbrechung. Ein Veräußerungs- oder Aufgabegewinn ist nur dem Erben zuzurechnen. 
  • Veräußert der Erbe den Betrieb oder gibt diesen auf, ist ausschließlich auf die persönlichen Verhältnisse des Erben abzustellen (Tarifbegünstigung für Veräußerungsgewinne ab der Vollendung des 55. Lebensjahres, Freibeträge). 

Freiberuflerpraxis

  • Auch eine Freiberuflerpraxis wird mit dem Todesfall nicht automatisch aufgegeben, auch wenn dem Erben die entsprechende berufliche Qualifikation (z.B. als Arzt oder Anwalt) fehlt. In diesem Fall erzielt der Erbe (insbesondere bei nachlaufenden Einkünften) Einnahmen aus Gewerbebetrieb und nicht mehr freiberufliche Einkünfte. Die mit dem Tod des freiberuflich Tätigen verbundene Betriebseinstellung ist noch keine Betriebsaufgabe. Gleiches gilt auch, wenn der Erbe sich einfach noch nicht endgültig entschieden hat, ob er den Betrieb/die Praxis des Erben fortführt, auch wenn er hierzu berechtigt wäre.

Sonstige Konsequenzen

Vererblichkeit von Verlusten

  • Verlustvorträge oder laufende Verluste im Jahr des Erbfalls gehen unter und können von dem Erben selbst nicht genutzt werden. Lediglich Verlustvorträge oder laufende Verluste im Todesjahr können mit positiven Einkünften des Erblassers in diesem Jahr verrechenbar.
  • Sofern Erbe ein Ehegatte ist und die Eheleute gemeinsam veranlagt werden, können die laufenden Verluste des Erblassers mit positiven Einkünften des Erben im Todesjahr verrechnet werden.

Nachlassverbindlichkeiten

  • Der Übergang von Nachlassverbindlichkeiten bzw. Erfüllung von Erbfallschulden (z.B. Erfüllung von Vermächtnissen oder Pflichtteilsansprüchen) führen beim Erben nicht zu Anschaffungskosten.
  • Werden Zugewinnausgleichs- oder Pflichtteilsansprüche durch Hingabe von Wertgegenständen aus dem Nachlass befriedigt (z.B. Übereignung PKW/Schmuck/Aktien) handelt es sich um ein entgeltliches Rechtsgeschäft, sodass die darin enthaltenen stillen Reserven aufgedeckt werden müssen. Werden diese Ansprüche in Geld befriedigt, handelt es sich um einen ertragsteuerlich neutralen Vorgang.

Beispiel

Der Nachlass besteht Aktien im Wert von 500 die der Erbe zu 100 vor Jahren gekauft hatte. Der Zugewinnausgleichsanspruch der enterbten Ehefrau beträgt 500. Werde nunmehr Aktien im Wert von 500 der Ehefrau zum Ausgleich ihres Zugewinns übertragen, so werden die in diesen Aktien enthaltenen stillen Reserven i.H.v. 400 u.U. steuerpflichtig aufgedeckt.  

Einkommensteuerliche Sonderfälle

Was ist im Falle einer Betriebsaufspaltung zu beachten?

Durch den Erbfall kann eine Betriebsaufspaltung (es existiert z.B. ein Besitzunternehmen in Form einer Grundstücksgesellschaft und ein Betriebsunternehmen, die sowohl wirtschaftlich als auch personell verflochten sind) begründet oder beendet werden. Insbesondere im Fall der Beendigung einer Betriebsaufspaltung kann dies zu einer steuerpflichtigen unerwünschten Aufdeckung stiller Reserven führen.  

Beispiel

Der Erblasser hatte sein Grundstück an eine ihm gehörende GmbH vermietet und dadurch vor Jahren eine Betriebsaufspaltung begründet. Im Rahmen der Erbauseinandersetzung erhält die Tochter das Grundstück und der Sohn die Anteile an der GmbH. Selbst wenn das Grundstück weiterhin an die GmbH vermietet wird, kommt es zur Beendigung der Betriebsaufspaltung und der steuerpflichtigen Aufdeckung sämtlicher im Grundstück befindlichen steuerlichen stillen Reserven. 

Aber auch die Begründung einer Betriebsaufspaltung kann steuerlich nachteilig sein.  

Beispiel

Der Erblasser war Eigentümer eines Grundstücks, welches er der GmbH seiner Frau vermietet hat. Im Rahmen der Erbauseinandersetzung bekommt die Frau das Grundstück, das Mietverhältnis wird fortgesetzt. Hierdurch wird eine Betriebsaufspaltung begründet, sodass das Grundstück Betriebsvermögen wird und fortan steuerlich verstrickt ist (d.h. eine spätere Veräußerung löst Steuern aus). Etwaige Mieten sind gewerbliche Einkünfte und unterliegen der Gewerbesteuer.

Was ist im Falle von Sonderbetriebsvermögen zu beachten?

Eine ähnliche Problematik ergibt sich, wenn der Erblasser eine Beteiligung an einer gewerblichen Personengesellschaft besaß (Mitunternehmerschaft) und entweder er selbst der Mitunternehmerschaft Wirtschaftsgüter (z.B.) ein Grundstück oder der Erbe der Mitunternehmerschaft Wirtschaftsgüter überlassen hat.

In beiden Fällen kann das Grundstück zum Sonderbetriebsvermögen der Personengesellschaft gehören und wäre damit steuerverstrickt. Im ersten Fall würde das Grundstück die bestehende Eigenschaft als Sonderbetriebsvermögen verlieren, wenn das Grundstück und die Beteiligung an zwei unterschiedliche Erben vermacht wird. In diesem Fall würden die stillen Reserven des Grundstücks steuerpflichtig aufgedeckt. Im Zweiten Fall hatte das Grundstück zwar nicht die Eigenschaft von Sonderbetriebsvermögen, da der Erbe bislang nicht an der Personengesellschaft beteiligt war, aber sofern dieser mit dem Erbfall selbst Mitunternehmer wird, wird auch das Grundstück in diesem Zeitpunkt Betriebsvermögen und wäre damit zukünftig steuerverstrickt. Auch wenn dies bislang zum Privatvermögen gehörte. 

Hinweis

Sollten Hinweise einer derartigen Verflechtung bestehen, solltest Du dringend Rat bei Deinem Steuerberater suchen, um die möglichen Konsequenzen und Vermeidungsstrategien zu erörtern.  

Handlungsempfehlungen

Im Folgenden erhältst Du eine Übersicht über die wichtigsten Fragen, die zeitnah zu beantworten wären, damit Du Dir einen ausreichenden Überblick über die steuerliche Situation des Erblassers und die hieraus u.U. für Dich resultierenden Verpflichtungen verschaffen kannst. 

Steuerberater informieren

  • Sollte der Erblasser einen Steuerberater gehabt haben, informiere diesen umgehend über den Todesfall und mache einen Besprechungstermin aus, um die nachfolgenden Punkte durchzugehen.  Der Steuerberater kennt die finanzielle Situation meistens besser als die Angehörigen und sollte auch über die notwendigen Unterlagen (Vertragsdokumente, Kontoauszüge, etc.) verfügen. Als persönlichen Tipp empfehle ich Dir Dich nach etwaigen ausstehenden Rechnungen zu erkundigen und diese umgehend zu begleichen, damit der Steuerberater gewiss sein kann, dass er für seinen Einsatz auch entsprechend entlohnt wird. Dies ist in der Regel gut angelegtes Geld. 

Wenn Erbe keinen Steuerberater hatte

  • Sofern der Erblasser keinen Steuerberater hatte, musst Du Dich selbst über die nachfolgenden Punkte informieren und – soweit nötig – einen Steuerberater zu Rate ziehen. Als Ausgangspunkt hierbei empfehlen wir Dir die letzte Steuererklärung/den letzten Steuerbescheid zu sichten. Hier kannst Du oftmals schon gut erkennen, welche Einkünfte der Erblasser erklärt hatte (insbesondere Einkünfte aus gewerblicher oder freiberuflicher Tätigkeit) und  für welche Jahre noch Steuererklärungen einzureichen sind. Sollte der Erblasser eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit ausgeübt haben, musst Du umgehend die geschäftlichen Bücher sichten (Kassenbuch, Buchhaltungsunterlagen (ggf. nur elektronisch verfügbar) um zu schauen, auf welchem Stand diese sind). Im besten Fall sind diese tages- oder zumindest wochenweise gepflegt. Oftmals können diese aber auch bereits mehrere Monate alt und ohne fortlaufende Einträge sein. Sich hier ohne Vorkenntnisse im Bereich Buchführung und Steuern zu bewegen ist nicht zu empfehlen. Hier solltest Du zwingend umgehend einen Steuerberater kontaktieren, der mit Dir gemeinsam die Unterlagen sichtet und notwendigen Schritte bespricht. 

Diese Themen solltest Du unbedingt klären

Drohen Steuerzahlungen?

  • Welche Steuern müssen kurzfristig bezahlt werden bzw. sind u.U. Steuererstattungen zu erwarten? 
  • Hat das Finanzamt eine Einzugsermächtigung? Weist das entsprechende Konto eine ausreichende Deckung auf?
  • Mit welchen Zahlungen ist alsbald zu rechnen? Z.B. wenn erst kürzlich eine Steuerklärung eingereicht wurde, zu der aber noch kein Bescheid ergangen ist/ u.U. findet momentan eine steuerliche Außenprüfung statt oder diese wurde abgeschlossen und das Finanzamt wird alsbald entsprechende Steuerbescheide erlassen.

Tipp

Um herauszufinden, ob der Erblasser Schulden beim Finanzamt hat, kannst Du Dir einen Kontoauszug beim Finanzamt zusenden lassen. Aus diesem lassen sich geleistete und etwaige ausstehende Zahlungen leicht erkennen. Auch solltest Du Dich beim Finanzamt erkundigen, ob der Erblasser regelmäßig Vorauszahlungen geleistet hat  

Muss ich noch Steuererklärungen noch abgeben?

  • Hat der Erblasser überhaupt eine Steuererklärung abzugeben? 
    • Bei Angestellten oder Rentner ist dies nicht immer erforderlich und daher nicht immer zwingend. Sobald der Erblasser aber zusätzliche Einkünfte erzielte, z.B. durch Vermietung und Verpachtung, eine berufliche Tätigkeit ausübte oder Einkünfte aus Kapitalvermögen, die nicht dem Quellensteuerabzug unterliegen, ist davon auszugehen, dass dies der Fall ist. 
  • Welche Steuererklärungen sind abzugeben und wer erstellt diese? 
    • Sofern der Erblasser noch beruflich tätig war, kann dies nicht nur die Einkommensteuererklärung betreffen, sondern u.U. auch die Gewerbesteuer oder Umsatzsteuer.
    • Sofern der Erblasser selbst erst kürzlich Erbe war oder etwas geschenkt bekommen hat, könnte dieser auch zur Abgabe einer Erbschaft-/Schenkungsteuererklärung noch verpflichtet sein. 
  • Für welche Jahre müssen die Steuererklärungen abgegeben werden?
    • Für alle Jahre, für die bislang noch keine Steuererklärung abgegeben wurde bis einschließlich dem Jahr des Todesfalls. Insoweit erfolgt eine Veranlagung zur Steuer für den Zeitraum bis zum Todestag).
  • Müssen noch geänderte Erklärungen abgegeben werden?
    • Es kann vorkommen, dass Steuererklärungen bereits eingereicht wurden oder sogar schon Bescheide ergangen sind, aber man später feststellt, dass diese fehlerhaft sind. Z.B. Einkommen wurde versehentlich nicht erklärt oder Kosten wurden steuerlich nicht geltend gemacht. In diesem Fall kann der Erbe verpflichtet sein bzw. Ist es u.U. vorteilhaft, eine geänderte Steuererklärung abzugeben. Diese sollte mit dem Steuerberater besprochen werden.
    • Manchmal stellt man im Rahmen der Ermittlung des Nachlasses fest, dass manche Einkünfte willentlich oder versehentlich nicht erklärt worden sind (Stichwort: Konto in der Schweiz). Diese Einkünfte sind unbedingt nachträglich zu erklären. Siehe hierzu auch „Schwarze Konten“.
  • Wann müssen die Steuererklärungen abgegeben werden?
    • Sofern der Erblasser einen steuerlichen Berater hatte, sind die jährlichen Steuererklärungen spätestens bis zum 28. Februar des übernächsten Jahres abzugeben. D.h., dass die Steuererklärung für 2019 grundsätzlich am 28.2.2021 abzugeben ist (sofern diese nicht bereits früher vom Finanzamt angefordert oder eine Fristverlängerung gewährt wurde). Wegen Covid 19 wurde diese Frist aber verlängert. Werden die Erklärungen von einem Steuerberater erstellt, so hat dieser Zeit bis Ende August 2021 Zeit die Erklärung abzugeben.
    • Laufende Umsatzsteuervoranmeldungen müssen spätestens zum 10. eines Folgemonats abgegeben werden.  Sofern eine sog. Dauerfristverlängerung gewährt wurde, verlängert sich die Abgabefrist jeweils um einen Monat. 

Gibt es laufende steuerliche Verfahren?

  • Sind derzeit Einspruchs- oder Klageverfahren anhängig? Hier solltest Du mit dem Steuerberater die möglichen Erfolgsaussichten besprechen.
  • Was sind die Konsequenzen im Erfolgs- bzw. insbesondere im Verlustfall? Ist hier mit steuerlichen Nachzahlungen zu rechnen und wenn ja, wie hoch sind diese? U.U. wurde die Steuer bereits bezahlt, in Ausnahmefällen (z.B. nach einer Außenprüfung) können aber auch erhebliche Nachzahlungen drohen.
  • Wann ist mit etwaigen Nachzahlungen zu rechnen (dies ist wichtig, falls der Erblasser oder die Erben nicht über ausreichende liquide Mittel verfügen (z.B. Nachlass besteht aus Immobilien, Aktien) 

Habe ich alle notwendige Unterlagen?

  • Hat der Steuerberater alle für die Erstellung der jeweiligen Erklärung notwendigen Unterlagen?
    • Sofern der Steuerberater nicht auch die laufende Buchhaltung macht, benötigt er sämtliche Belege für das jeweilige Jahr (den jeweiligen Zeitraum), für welches eine Steuererklärung einzureichen ist. Hierzu zählen Ausgang-, Eingangsrechnungen, Kontoauszüge, Verträge,  wichtiges Korrespondenz, Jahresabrechnungen der Hausverwaltung, usw.). 
  • Sofern Dir für die Ermittlung der Vermögens Unterlagen fehlen (z.B. Wertgutachten, langfristige Verträge, Übersicht über Vermögensgegenstände, Übersicht über Bankkonten, usw.) ist der Steuerberater mit Sicherheit die beste und manchmal auch die einzige Quelle.

An Aufbewahrungsfristen denken!

  • Natürlich stellst Du Dir die Frage, welche der vielen Aktenordner des Erben noch aufbewahrt werden müssen und wie lange. Das Steuerrecht unterscheidet hier im Wesentlichen Fristen für Privatleute und Fristen für Kaufleute.
    • Privatleute: Hier gelten grundsätzlich keine Fristen, sofern es jedoch um Dokumente im Zusammenhang mit Leistungen an einem Grundstück handelt, sind diese mindestens 2 Jahre aufzubewahren. Zu solchen Leistungen gehören u. a. sämtliche Bauleistungen, planerische Leistungen, die Bauüberwachung, Renovierungsarbeiten, Bepflanzungen, usw. Dieses gilt unabhängig davon, ob es sich um Leistungen für das private Grundstück ober für das vermietete Grundstück handelt. 
    • Unternehmer: Bei Unternehmern gilt hingegen eine 6- bzw. 10 jährige Aufbewahrungsfrist. Eine 10-jährige Aufbewahrungsfrist gilt für Bücher und Aufzeichnungen, Jahresabschlüsse, Inventare, usw. Die 6-jährige z.B. für Handels- und Geschäftsbriefe. Über die Details solltest Du Dich separat erkundigen. Da die Unterscheidung nicht immer ganz klar ist, empfehlen wir Dir alle geschäftlichen Unterlagen mindestens 10 Jahre aufzubewahren. Um auf der ganz sicheren Seite zu sein, nimmt man als Beginn der Frist das Ende des Jahres, in dem der Erbfall eintrat. Achtung: Die Aufbewahrungsfrist für Verträge, z. B.  Arbeitsverträge oder Mietverträge, beginnt erst nach dem Ende der Vertragsdauer zu laufen.

Schwarze Konten

Zwar ist dies eher selten der Fall, aber es kann vorkommen, dass man bei der Zusammenstellung des Vermögens feststellt, dass bestimmte Einkünfte bislang gegenüber dem Finanzamt nicht erklärt wurden (Vermögen auf Auslandskonten z.B. in der Schweiz, Lichtenstein, usw. Auch als sog. Schwarze Konten bekannt)

Hat sich der Erblasser strafbar gemacht und welche Konsequenzen hat dies für die Erben?

Derjenige, der Steuern verkürzt macht sich in Deutschland strafbar. Durch die Nichtangabe von Einkünften im Rahmen seiner jährlichen Steuererklärung macht sich ein Steuerpflichtiger regelmäßig einer Steuerhinterziehung strafbar, sofern auf diese Einkünfte Steuern zu zahlen gewesen wären. Ob sich der Erblasser strafbar gemacht hat, ist aber für den Erben ohne Belang, da der Erbe zwar in die Rechtstellung des Erben eintritt, dies jedoch nicht für strafbare Handlungen gilt. Insoweit wird dem Erben etwaige strafbare Handlungen des Erblassers nicht zugerechnet.

Muss ich als Erbe diese Einkünfte noch nachträglich erklären?

Ja, denn als Rechtsnachfolger in steuerlichen Belangen, ist der Erbe verantwortlich für die Richtigkeit der vom Erblasser abgegebenen Steuererklärungen. Auch wenn er diese selbst nicht erstellt hat, besteht für den Erben eine Verpflichtung bereits eingereichte Steuererklärungen beim Finanzamt zu korrigieren, sofern der Erbe die Unrichtigkeit der Steuererklärungen kannte oder hätte kennen können. Ansonsten macht er sich einer Steuerhinterziehung durch Unterlassen strafbar. Entsprechend ist dringendst zu empfehlen dem Finanzamt mitzuteilen, wenn dem Erben später bekannt werden sollte, dass die Steuererklärungen u.U. fehlerhaft waren. Auch hier ist zu empfehlen vor einer Mitteilung an das Finanzamt Rat bei einem Fachanwalt für Steuerrecht oder Steuerberater einzuholen. Diese Verpflichtung gilt unabhängig davon, ob die Bescheide bereits bestandskräftig veranlagt wurden. Bei einer Steuerhinterziehung können diese noch 10 Jahre lang durch das Finanzamt korrigiert werden. 

Auch ist es ist nicht ausreichend, die Einkünfte ausschließlich im Rahmen der letzten/aktuellen Steuererklärung anzugeben. Die Korrekturpflicht betrifft sämtlich Altjahre.

Was ist mit der hierbei nachträglich festgesetzten Steuer?

Für diese Steuern haften alle Erben und nicht nur derjenige, der die Steuern nachträglich erklärt. Sollte Dir daher nachträglich bekannt werden, dass der Erblasser in großem Umfang Einkünfte gegenüber dem Finanzamt verschwiegen hat und ist zu befürchten, dass hieraus erhebliche Steuernachzahlungen drohen, solltest Du dringend an eine Ausschlagung der Erbschaft denken, sofern die Mittel der Erbschaft für die Begleichung der Steuern (und etwaiger Zinsen i.H.v. 0,5%/Monat) nicht ausreichen sollten.  Vor einem derartigen Schritt ist jedoch der Sachverhalt und insbesondere die steuerliche Belastung umfassend und genaustens mit Hilfe eines Steuerberaters zu ermitteln.  

Was ist mit den Steuererklärungen, die noch nicht abgegeben wurden?

Entsprechend versteht es sich von selbst, dass diese Einkünfte auch in den Jahren zu erklären sind, die noch nicht vom Erblasser bereits erklärt wurden. Unterlässt dies der Erbe, so macht er sich der „aktiven“ Steuerhinterziehung strafbar, da er nun selbst eine „unrichtige“ Steuererklärung abgibt und es nicht nur unterlässt eine korrigierte Steuererklärung abzugeben.

Muss der Erbe sämtliche frühere Steuererklärungen auf deren Richtigkeit hin überprüfen?

Das muss der Erbe grundsätzlich nicht machen. Eine Verpflichtung zur Abgabe einer korrigierten Steuererklärung besteht nur, sofern der Erbe nachträglich von Tatsachen erfährt, bei dem es sich dem Erben aufdrängen müsste, dass diese Tatsachen für die Steuerfestsetzung von Bedeutung sind und fehlerhaft nicht erklärt worden waren. Z.B. wenn der Erbe erfährt, dass die laufenden Einkünfte höher sind, als sie beim Finanzamt angegeben wurden oder wenn bislang unbekanntes Vermögen entdeckt wird z.B. in Form von Bankkonten, Edelmetallbeständen oder z.B. Bitcoins und dieses Vermögen aus den erklärten Einkünften nicht angeschafft worden sein konnte. Hier muss natürlich geprüft werden, ob es sich hier nicht um ganz legales Vermögen handelt, welches dem Erblasser geschenkt wurde, er über die Jahre angespart oder z.B. durch einen Lottogewinn angeschafft hat. Inwieweit Nacherklärungspflichten bestehen ist nicht immer auf Anhieb zu beurteilen. Auch hier empfehlen wir Dir den Gang zum Anwalt oder Steuerberater. 

Beachte

Im Rahmen der Erbschaftsteuererklärung ist dieses Vermögen natürlich anzugeben. Da die Einkommensteuer- und Erbschaftsteuerfinanzämter regelmäßig interne Kontrollmitteilungen austauschen wird das Einkommensteuerfinanzamt des Erblassers spätestens hierüber von zusätzlichem Vermögen Kenntnis erlangen. 

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