Du bist hier: Erbengemeinschaft nach gesetzlicher Erbfolge

Steuern regeln

Wie hoch ist meine Erbschaftsteuer?

Allgemein

Auf Grund der in Deutschland gewährten hohen Freibeträge fällt Erbschaftsteuer nur in seltenen Fällen an. In 2017 betraf dies ca. nur jeden 9. Erbfall, wobei sich die durchschnittliche Belastung auf ca. 45.000€ belief. [Quelle: Wikipedia]

Erbschaftsteuer fällt nur an soweit Du

(1) bereichert bis (der Wert des Nachlasses ist größer als die Verbindlichkeiten des Erblassers und anfallende Erbfallschulden) und auch nur soweit

(2) diese Bereicherung nicht steuerfrei ist (z.B. steuerfreier Nachlass wie z.B. Familienheim oder Bereicherung ist geringer als die steuerlichen Freibeträge)

Die Höhe der Erbschaftsteuer hängt von vier wesentlichen Faktoren ab.

  1. Gesamtwert des Nachlasses 
  2. Höhe der Nachlassverbindlichkeiten
  3. Sachliche Steuerbefreiungen (wie. z.B. Hausrat, Familienwohnheim, etc.)
  4. Persönliche Steuerfreibeträge (Freibeträge entsprechend der Steuerklasse)

Wie bestimmte ich den Gesamtwert des Nachlasses?

Dies hängt davon ab, was genau vererbt wird. Für unterschiedliche Gegenstände gibt es unterschiedliche Bewertungsregeln. 

Ziel der Bewertung ist die Findung des gemeinen Wertes, eine Annäherung an den Verkehrswert, d.h. aktueller Marktwert. Das ist der Preis, den ein fremder Dritter bereit wäre, dafür zu zahlen. Besonderheiten gibt es u.a. aber bei Grundvermögen, Betriebsvermögen und nicht notierte Anteile an Kapitalgesellschaften.

Was gehört zu den Nachlassverbindlichkeiten?

Vom Gesamtwert des Nachlasses werden die Nachlassverbindlichkeiten abgezogen. Hierzu gehören u.a.

  • Schulden des Erblassers
  • Erbfallschulden: Kosten, die im Zusammenhang mit dem Erbfall auftreten wie z.B. Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen, Auflagen und Pflichtteilen sowie Erbersatzansprüche [sollten hier alle nicht relevant sein]
  • Erbschaftsabwicklungskosten:  Beerdigungskosten sowie Kosten im Zusammenhang mit der Abwicklung

Nachlassvermögen abzüglich Nachlassverbindlichkeiten stellt grds. den steuerpflichtigen Erwerb dar. Nur soweit jedoch keine sachlichen oder persönlichen Steuerbefreiungen greifen führt der Erwerb zur Steuerpflicht.

Welche sachlichen Steuerbefreiungen gibt es?

  • Hausrat
  • Familienheim
  • Zugewinnausgleich
  • vermietete Immobilien
  • u.s.w.

Welche persönlichen Steuerbefreiungen gibt es?

  • Persönliche Freibeträge, die sich am Verwandschaftsgrad orientieren. Diese reichen von TEUR 500 für Ehepartner bis TEUR 20.000 bei Erbschaften von Dritten.
  • Besonders zu beachten wäre, dass auch Geschwister lediglich einen sehr geringen Freibetrag haben und zudem bei der Ermittlung des Freibetrags alle Zuwendungen der letzten 10 Jahre zu berücksichtigen sind.

Wie ermittelt sich die Höhe meiner Erbschaftsteuer?

Die Höhe der Erbschaftsteuer wird in mehreren Schritten ermittelt. Vereinfacht ist das Ermittlungsschema wie folgt:

Gesamtwert des Nachlasses 

–     Nachlassverbindlichkeiten (z.B. Schulden)

–     Abzüglich sachlicher Steuerbefreiungen (z.B. Eigenheim)

–     Abzüglich persönlicher Steuerfreibeträge (zwischen €20.000-€756.000)

           = Gesamthöhe des steuerpflichtigen Erwerbs 

x  Persönlicher Steuersatz (7% – 50%; basierend auf  Steuerklasse und Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs)

=  endgültige Erbschaftsteuerbelastung

 

Mehr zu all diesen Themen erfährst du in den nächsten Reitern.

Wert des Nachlasses

Was umfasst den steuerpflichtigen Nachlass? 

Der steuerpflichtige Nachlass umfasst alles, was der Erbe aus dem Vermögen des Erblassers erhält. Bei Zugewinngemeinschaft und Gütertrennung ist dies stets das entsprechend zugewandte Vermögen, dass im Eigentum des Erblassers stand. Wegen der Sondersituation beim Güterstand der Gütergemeinschaft gelten hier Sonderregelungen, auf die wir hier wg. der geringen Anzahl dieser Fälle nicht eingehen.  

Wie ermittle ich den Gesamtwert des Nachlasses?  

Dies hängt davon ab, was genau vererbt wird. Für unterschiedliche Gegenstände gibt es unterschiedliche Bewertungsregeln, die im Folgenden näher erläutert werden .

Grundsatz:    Ziel der Bewertung ist die Findung des gemeinen Wertes, eine Annäherung an den Verkehrswert, d.h. aktueller Marktwert. Dies ist der Preis, den ein fremder Dritter bereit wäre dafür zu zahlen. Besonderheiten gibt es aber bei Grundvermögen, Betriebsvermögen und nicht notierten Anteilen (d.h. nicht börsengehandelten) an Kapitalgesellschaften

Als Bewertungsstichtag  ist stets der Todestag des Erblassers maßgebend. Wertveränderungen die vor oder nach dem Stichtag eintreten sind irrelevant. 

Übersicht der Bewertung der jeweiligen (typischen) Vermögenswerte:

Wie ermittelt sich der Gebäudeertragswert?

Beim Ertragswertverfahren bestimmt sich der Wert einer vermieteten Immobilien nach dem (i) Wert des Bodes (ohne Gebäude) sowie (ii) nach dem Gebäudeertragswert.

(i)   Bodenwert: Den Wert des Bodens ermittelt man an Hand des Bodenrichtwertes multipliziert mit der Quadratmeterzahl des Grundstücks.

(ii)  Der Gebäudeertragswert ermittelt sich wie folgt:

  1. Jahresmiete des Gebäudes (maßgebend ist die vereinbarte Nettokaltmiete im Zeitpunkt des Erbfalls maßgebend. Nicht die tatsächlich vereinnahmte Miete. Wird eine Wohnung kostenfrei oder zu nicht marktüblichen Bedingungen (<20% der marktüblichen Miete) vermietet, wird die marktübliche Miete zu Grunde gelegt.
  2. Abzüglich Bewirtschaftungskosten (hierbei sind aber nicht die tatsächlichen Kosten maßgebend, sondern die vom Gutachterausschuss pauschal auf Basis vergleichbarer Objekte ermittelten Werte. Ansonsten richtet sich die Höhe nach dem Bewertungsgesetz.
  3. Abzüglich angemessene Verzinsung des Bodenwertes. Dieser wird auch vom Gutachterausschuss ermittelt und liegt zwischen 5% und 6,5% und wird auf den Bodenwert (nach Bodenrichtwert) ermittelt.

= Jährlicher Gebäudereinertrag 

Nunmehr ist der Gebäudereinertrag mit dem sich aus Anlage 21 zu § 185 BewG ergebenen Vervielfältiger zu multiplizieren. Dieser bestimmt sich nach dem Liegenschaftszins und der Restnutzungsdauer des Gebäudes.

= maßgeblicher Gebäudeertragswert 

Wie ermittelt sich der Gebäudesachwert?

Beim Sachwert setzt sich der Wert der Immobilie aus dem Bodenwert (s.o.) und dem Gebäudewert zusammen. Der Gebäudewert bestimmt sich nach den Regelherstellungskosten (nicht den tatsächlichen Herstellungskosten), die sich aus Anlage 24 zu § 190 BewG ermitteln.

Die Regelherstellungskosten sind mit der Bruttogrundfläche zu multiplizieren abzüglich eines Altersabschlages von bis zu 60%.  

Der hiernach ermittelte Wert ist mit dem Bodenwert zu addieren und im Anschluss mit einem durch den Gutachterausschuss vorgegebenen Faktor zu (oder Anlage 25 zum BewG) multiplizieren. Das Ergebnis ist der maßgebliche Gebäudesachwert.

Was mindert die Erbmasse?

Was kann ich bei der Ermittlung des Wertes der Erbschaft steuerlich abziehen? 

Vom Wert des Nachlasses werden die sog. Nachlassverbindlichkeiten abgezogen. Hierzu gehören

  1. Erblasserschulden,
  2. Erbanfallschulen und
  3. sonstige Erbfallschulden.

Was gilt grundsätzlich bei Verbindlichkeiten? 

Da im Grundsatz das gesamte Vermögen der Erbschaftsteuer unterliegt und nur wenige Gegenstände hiervon befreit sind, dürften in der Regel auch sämtliche Verbindlichkeiten des Erblassers mit ein paar wenigen Ausnahmen steuermindernd bei der Erbschaftsteuer berücksichtigt werden. 

  • Insbesondere abzugsfähig sind Kredite für die vermietete Wohnung, Verbraucherkredite für die  Anschaffung eines PKW’s, Kredite für den Erwerb von Aktien, aber auch allgemeine private Kredite, die nicht im Zusammenhang mit einer Anschaffung (z.B. Finanzierung einer Traumreise) aufgenommen wurden.  
  • Kredite, die hingegen Wirtschaftsgüter betreffen, die steuerfrei für den Erben übernommen werden sind nicht abzugsfähig. Häufigster Anwendungsfall wird das Familienwohnheim sein, da dieses unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei vererbt werden kann (siehe hierzu auch den nachfolgenden Reiter).
  • Merke!  Kann der Erwerber hingegen die Steuerbefreiung nicht in Anspruch nehmen, da er die Voraussetzungen der Steuerfreiheit nicht erfüllt, so kann er aber in diesem Fall dann die Verbindlichkeiten zum Abzug bringen. Dies gilt auch dann, wenn die Steuerbefreiung rückwirkend entfällt und man zuvor die Verbindlichkeiten nicht zum Abzug gebracht hat. Daher ist immer zu empfehlen, Unterlagen die den Erbfall betreffen (z.B. über die Zusammensetzung und Wert der Vermögensgegenstände) möglichst lange (im Idealfall bis zu 10 Jahre) aufzubewahren.

Kredite, die im Zusammenhang mit dem Erwerb von Hausrat stehen, sind hingegen voll abzugsfähig, da insoweit der Erwerb des Hausrats voll steuerpflichtig ist, jedoch lediglich ein Freibetrag gewährt wird. 

Stehen die Schulden im Zusammenhang mit dem Betriebsvermögen (Verbindlichkeiten aus Lieferungen, Finanzierungen des Betriebes/der freiberuflichen Praxis des Erblassers), werden diese bereits bei der Ermittlung des Wertes des Betriebsvermögen berücksichtigt. 

Übersicht über abzugsfähige Verbindlichkeiten

Erblasserschulden: Hierzu gehören sämtliche Schulden des Erblassers zum Zeitpunkt des Todesfalls

    • Private Bankverbindlichkeiten
    • Steuern, inklusive Steuern bis zum Zeitraum des Todes auch wenn diese erst zukünftig festgesetzt werden (diese müssen u.U. dem Finanzamt nachgemeldet werden)
    • Mietschulden bis zum Todestag
    • Sonstige vertragliche Schulden (Versicherungen, Telefon, Gas, Bestellungen, etc.)
    • Die anfallende Erbschaftsteuer ist grundsätzlich nicht mindernd zu berücksichtigen. Nur für den (seltenen) Fall, dass eine ausländische Erbschaftsteuer nicht in Deutschland angerechnet wird, kann diese als Verbindlichkeit des Nachlasses mindernd berücksichtigt werden. 

Erbanfallschulden:  Hierbei handelt es sich um Verbindlichkeiten, die aus Anlass des Erbfalls entstehen. Hierzu gehören Vermächtnisse, Auflagen, Pflichtteile und Erbersatzansprüche. Im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge sind diese Schulden ohne Belang, da sie insoweit nicht anfallen.

Erbfallverbindlichkeiten: Hierzu gehören die Kosten einer standesgemäßen Beerdigung. Unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Kosten kann ein Freibetrag von €10.300 geltend gemacht werden. Kosten, die in Summe diesen Betrag überschreiten, müssen nachgewiesen werden (auch den Betrag bis zur Höhe des Freibetrags). Zu den Beerdigungskosten gehören neben den unmittelbaren Bestattungskosten auch:

    • Überführungskosten des Leichnams
    • Kosten der Trauerfeier
    • Kosten des Trauerredner
    • Grabstein/-stätte sowie Kosten für die übliche Grabpflege mit ihrem Kapitalwert für eine unbestimmte Dauer (d.h. 9,3-fache der jährlichen Kosten die üblicherweise bei der Inanspruchnahme von Fremdleistungen zu erwarten sind)
    • Todesanzeigen,
    • Anreise von Verwandten zur Beerdigung (wenn die Erben die Kosten tragen), kirchliche und bürgerliche Trauerfeierlichkeiten
    • Auch die Kosten im direkten Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung oder Verteilung des Nachlasses oder mit der Erlangung des Erwerbs entstehen sind voll abzugsfähig. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Kosten für die anwaltliche Beratung bezüglich der Erbauseinandersetzung, Prozesskosten um die Frage der Ebenstellung, Kosten der Erbauseinandersetzung mit den Miterben,  Kosten der grundbuchrechtlichen Umschreibung, Kosten der Bewertung, die für die Auseinandersetzung erstellt wird, Gerichtskosten, Kosten für die Erstellung der Erbschaftsteuererklärung (nicht hingegen Kosten für ein Klageverfahren über die Höhe der Erbschafsteuerschuld). Auch Kosten der Testamentsvollstreckung können voll abzugsfähig sein, sofern es sich nicht um eine Dauertestamentsvollstreckung handelt. 
    • Nach Auffassung der Finanzgerichte gehören Kosten für die Bewertung des Nachlasses oder steuerliche Rechtverfolgungskosten nicht zu den abzugsfähigen Kosten. 
    • Nicht zu den Verbindlichkeiten, die steuerlich geltend gemacht werden können gehören die Kosten der laufenden Verwaltung des Nachlasses.  Dazu gehören z.B. administrative Kosten, Instandhaltungs- oder Sanierungskosten, Schließungs- oder Abwicklungskosten des Betriebs/freiberuflichen Praxis des Erblassers (diese können u.U. im Rahmen der Einkommensteuererklärung bei den gewerblichen/freiberuflichen Einkünften mindernd geltend gemacht werden) oder auch Entrümpelungskosten. Kosten für eine reine Bewertung für erbschaftsteuerliche Zwecke. 

Mit welchem Wert werden die Verbindlichkeiten angesetzt?

Mit dem Nennbetrag der Verbindlichkeit zum Zeitpunkt des Todesfalls. Dazu gehören natürlich auch sämtliche Zinsen, die bis zum Todeszeitpunkt entstanden sind.  

Werden Verbindlichkeiten gegenüber dem Erben mindernd berücksichtigt?

Auch wenn der Erbe diese Verbindlichkeit gegen sich selbst „erbt“, erlischt diese nicht, sondern kann als Nachlassverbindlichkeit mindernd geltend gemacht werden. Hierbei kann es sich um Verbindlichkeiten aus Darlehensverhältnissen handeln.  

Was ist steuerfrei?

Im Folgenden findest Du eine Übersicht über die Gegenstände, die (bis zu einer gewissen Wertobergrenze) steuerfrei vererbt werden können. Die Höhe des entsprechenden (sachlichen) Freibetrags hängt auch von der jeweiligen Steuerklasse ab (Siehe hierzu den folgenden Reiter). 

Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Freibeträge jeweils nur für den beschriebenen Gegenstand gewährt werden und nicht ausgeschöpfte Freibeträge nicht auf andere Gegenstände übertragen werden können. Sofern die Freibeträge überschritten werden, unterliegt der über den Freibetrag liegende Wert der regulären Erbschaftsteuer. Eine Kürzung der Freibeträge erfolgt nicht. 

 

Die Freibeträge gelten für jeden einzelnen Erben und je Erbfall. 

Auf welche Weise ist das Familienwohnheim begünstigt? 

Gegenstand der Steuerbefreiung:  Die zu eigenen Wohnzwecken genutzte Immobilie (Haus, Eigentumswohnung, Miteigentumsanteil), wenn sich dort der Mittelpunkt des familiären Lebens des Erblassers befand. Nicht dazu gehört die berufliche Zweitwohnung, Ferienwohnung (Ausnahme, wenn dort u.U. der Mittelpunkt hin verlegt wurde, z.B. Wohnsitz in Spanien). Auch Garagen und Nebengebäude gehören dazu, sofern diese (i) sich auf dem (grundbuchrechtlich erfassten) Grundstück befindet sowie (ii) mit der Wohnung genutzt werden. Der Erblasser muss aber Eigentümer gewesen sein. Eine Auflassungsvormerkung reicht nicht aus.

Höhe der Steuerbefreiung: Unbegrenzt, soweit zu eigenen Wohnzwecken (inklusive Nutzung durch Kinder) genutzt wurde. Mitbenutzung durch andere Familienangehörige unschädlich, schließt insoweit (Aufteilung nach Fläche) aber die Begünstigung aus. Auch Nutzung als Büro schließt insoweit die Steuerbefreiung aus.

Begünstigter Personenkreis: Ehepartner, Kinder und Kinder verstorbener Kinder (Enkel). Soweit Erwerber nicht die Ehefrau ist, gilt die Steuerbefreiung nur, soweit die Wohnfläche 200qm nicht übersteigt. Die darüber hinausgehende Wohnfläche ist steuerlich nicht begünstigt. 

Weitere Voraussetzungen:

  • Nutzung zu eigenen Wohnzwecken
    • Erblasser muss Wohnung zu eigenen Wohnzwecken genutzt haben oder an der Selbstnutzung aus zwingenden Gründen gehindert gewesen sein (z.B. Unterbringung im Heim; aber Zwischenvermietung schädlich). 
    • Zudem muss Erwerber die Wohnung unverzüglich als Familienheim zu eigenen Wohnzwecken nutzen. Eine Nutzung als Zweitwohnung ist nicht ausreichend.   
  • Unverzüglich
    • (Einzelfallabhängig), spätestens innerhalb von 6 Monaten. Nach dieser Zeit muss Erwerber Gründe darlegen, ob und wann er die Absicht zur Eigennutzung hatte und warum die Nutzung nicht erfolgte und aus welchen Gründen er dies nicht zu vertreten hatte. Selbstverursachte Verzögerungen gehen zu Lasten des Erwerbers und werden nur in Ausnahmefällen berücksichtigt (z.B.. Umfangreiche Renovierungen). 
    • Gesamte Steuervergünstigung entfällt rückwirkend, wenn die 10-Jahresfrist nicht eingehalten wird. Es erfolgt keine anteilige Kürzung der Steuerbefreiung, sondern ein vollständiger Wegfall. Ausnahme nur, wenn Erwerber an Nutzung aus zwingenden Gründen gehindert war.  10 jährige Nachbehaltensfrist

Sonstiges: Steuerbefreiung kommt nicht in Betracht, wenn Erbe die Immobilien an einen Dritten übertragen muss oder im Rahmen der Teilung des Nachlasses an einen Dritten überträgt. 

Werden vermietete Immobilien begünstigt? 

Zu Wohnzwecken vermietete Immobilien im Inland oder innerhalb der EU werden nur zu 90% ihres Wertes bei der Ermittlung der Erbschaftsteuer berücksichtigt, sofern diese nicht zum Betriebsvermögen gehören. Die Vermietung muss im Zeitpunkt des Erbfalls vorgelegen haben. Wird ein Familienwohnheim innerhalb der Nachbehaltensfrist von 10 Jahren nicht mehr selbst genutzt, sondern vermietet, sodass der Erwerb rückwirkend erbschaftsteuerpflichtig, kann nicht nachträglich diese Begünstigung alternativ in Anspruch genommen werden. 

Sind Versorgungsbezüge steuerbefreit? 

Bei Versorgungsbezügen i.S.v. Hinterbliebenenbezügen handelt es sich um mit der Rente vergleichbare Einnahmen (Versorgungsbezüge), soweit sie zur  Hinterbliebenenversorgung erzielt werden.

  Hierzu gehören

  • Versorgungsbezüge aus einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis oder aus einem Arbeitsverhältnis mit Anspruch auf Versorgung nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen,
  • Bezüge aus der Versorgung der Abgeordneten, Parlamentarischen Staatssekretäre und Minister,
  • Renten der Versicherungs- und Versorgungseinrichtungen, die für Angehörige bestimmter Berufe errichtet sind (z.B. der Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte),
  • Renten der betrieblichen Altersversorgung einschließlich der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst und der hüttenknappschaftlichen Zusatzversorgung.

Auch zu nennen sind alle Kapitalleistungen, die der Hinterbliebenenversorgung dienen, sofern ein Bezug zum Erwerbsleben des Erblassers besteht. 

Nicht unter die Versorgungsbezüge fallen selbst abgeschlossene private Lebens-, Unfall- oder Sterbegeldversicherungen. 

Das Erbschaftsteuerrecht selbst stellt Versorgungsbezüge nicht steuerfrei. Die Steuerfreiheit ergibt sich daraus, dass auf Gesetz oder einem Arbeitsverhältnis beruhende Hinterbliebenenbezüge nicht der Erbschaftsteuer unterworfen werden, ca Anspruchsinhaber nicht der Erbe ist und damit diese Bezüge in den Nachlass fallen, sondern der Empfänger der Versorgungsbezüge selbst (der sogar nicht einmal Erbe sein muss).

Die Steuerbefreiung von o.g. Versorgungsbezügen ist aber nicht mit dem Versorgungsfreibetrag zu verwechseln (hierzu mehr unter ‚Steuerklasse und Freibeträge‘.

Steuerfreier Zugewinnausgleich 

Für erbschaftsteuerzwecke spielt der Zugewinnausgleich des Ehepartners eine erheblich Rolle, da in Höhe des (fiktiven) Zugewinns der Erwerb für den Erben steuerlich unberücksichtigt bleibt.

Sollte der Erbe daher in der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft leben, so sind die nachfolgenden Ausführungen für den betreffenden überlebenden Ehegatten von erheblicher Bedeutung.

Als erstes ist festzuhalten, dass unabhängig von der Frage, wie der Zugewinnausgleich aus erbrechtlicher Sicht erfolgt, dies für steuerliche Zwecke nahezu unbedeutend ist. Hier kommt es ausschließlich auf die Höhe des tatsächlichen Zugewinns an unabhängig davon wie der zivilrechtliche Erbteil des Ehegatte ermittelt wird. 

Da es auf den tatsächlichen Zugewinn ankommt, kann es passieren, dass der Erbe bei der erbrechtlichen Lösung und der damit verbundenen Erhöhung des Erbteils um ¼ zwar einen hohen „fiktiven“ Zugewinnausgleich hat, dieser aber dennoch steuerpflichtig ist, soweit dieser den tatsächlichen Zugewinn überschreitet.

Beispiel

Beide Ehepartner haben in der Ehe einen Zugewinn von je 100 erwirtschaftet, sodass kein Zugewinnausgleichsanspruch im Fall der Beendigung der Ehe bestehen würde. Auch wenn sich für zivilrechtliche Zwecke bei der erbrechtlichen Lösung der Erbteil um ¼ erhöht, so kann der Erbe dennoch keinen nicht steuerbaren Zugewinnausgleich geltend machen, da der tatsächliche Zugewinn sich auf „0“ beläuft.

Ermittlung des Zugewinns (stark vereinfachte Darstellung)

Die folgenden Ausführungen dienen lediglich der anfänglichen Information. Sollte die Ermittlung des Zugewinnausgleichsanspruch einen Einfluss auf die Höhe der Erbschaftsteuer haben, dann empfehlen wir dringend insoweit Rat von einem Steuerberater einzuholen. 

Der steuerfreie Zugewinn ermittelt sich wie folgt:

Tatsächliches Endvermögen des jeweiligen Ehepartners im Zeitpunkt des Erbfalls abzüglich dessen tatsächlichem Anfangsvermögen zu Beginn der Ehe. Hälfte der Differenz zwischen dem Zugewinn der Ehegatten entspricht der Höhe des nicht steuerbaren Zugewinns des Partners mit dem geringeren Zugewinn.

Beispiel

Anfangsvermögen beider Ehegatten       = 0

Endvermögen Erblasser:                           =100

Endvermögen Erbe:                                    =50

Zugewinn Erblasser:                                  =100

Zugewinn Erbe:                                           =50

Differenz Zugewinn beider Ehegatten    = 50

Zugewinnausgleichsanspruch Erbe       = 25

Probe: Summe Zugewinn Ehegatten = 150; davon steht jedem 50% zu. Erbe hat bereits 50 (selbst erwirtschaftet), sodass diesem weitere 25 zustehen. In Höhe von 25 ist das Erbe nicht steuerbar. 

Besondere güterrechtliche Modifikationen der Zugewinngemeinschaft  sind unbeachtlich. Auch gilt nicht die gesetzliche Fiktion (die z.B. bei einer Auflösung der Zugewinngemeinschaft durch Scheidung gilt), dass das Anfangsvermögen sich auf „0“ beläuft, sofern kein Verzeichnis erstellt wurde.

Bei der Ermittlung des Anfangsvermögens kommt es zu einer inflationsbedingten Anpassung, damit inflationsbedingte Wertsteigerungen nicht automatisch den Wert des Zugewinns und somit den nicht steuerbaren Anteil erhöhen. Hierbei wird das Anfangsvermögen der Ehegatten mit dem Lebenshaltungskostenindex zur Zeit des Erbfalls multipliziert und durch die für den Zeitpunkt des Beginns des Güterstandes geltende Indexzahl dividiert. 

Beachte

Bei der Ermittlung des tatsächlichen Zugewinns stellt man zwar auf den Verkehrswert des Endvermögens ab, für steuerliche Zwecke muss hieraus jedoch noch der steuerliche Wert ermittelt werden. Da insbesondere Grundvermögen, Betriebsvermögen oder Anteilsbesitz für steuerliche Zwecke anders bewertet wird, kann es insoweit noch zu einer Wertverschiebung kommen. 

Die Ermittlung des steuerlichen Wert der Ausgleichsforderung erfolgt auf Basis der nachfolgenden Klausel:

Ausgleichsforderung  x  Steuerwert des Endvermögens   = steuerfreier Betrag

                  Verkehrswert des Endvermögens

Begünstigung von Betriebsvermögen

Beim begünstigten Betriebsvermögen kann es sich um 

  • Betriebsvermögen eines Einzelunternehmers oder einer Einzelpraxis handeln
  • Beteiligung an einer gewerblichen/freiberuflichen Personengesellschaft 
  • Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft, sofern die Beteiligung am Grund- oder Stammkapital >25% beträgt
  • Land- und Frostwirtschaftliches Vermögen.

Die Regelungen zur Begünstigung von Betriebsvermögen sind überaus umfangreich und kompliziert. Sollte in der Erbmasse derartiges Vermögen vorhanden sein, so solltest Du dringend die steuerlichen Angelegenheiten mit Deinem Steuerberater im Einzelnen besprechen. Ausführungen hierzu würde den Umfang dieses Ratgebers „sprengen“.

Steuerklasse, Freibeträge und Steuersatz

Im Folgenden erfährst Du, welche persönlichen Freibeträge es gibt und wie hoch diese sind, sowie wie sich der persönliche Steuersatz ermittelt.  

Welche Rolle spielt die Einordnung in Steuerklassen? 

Neben dem Verwandtschaftsgrad bestimmt die Einordnung in Steuerklassen wie hoch die individuellen Freibeträge sind sowie den anwendbaren Steuersatz für den steuerpflichtigen Teil des Erwerbes. 

Die Steuerklassen richten sich nach dem Grad der Verwandtschaft, wobei die engste Beziehung, wie z.B. im Fall von Kindern und Enkeln im Vergleich zu weiter entfernten Verwandten, zu einem deutlich höheren Freibetrag führt. Die Steuerklasse hat auch starken Einfluss auf die jeweilige Höhe des Steuersatzes (Eingangssteuersatz zwischen 7% und 30%)

Zur Steuerklasse I gehören:

Ehegatten  

    • Die Ehe muss noch wirksam bestehen; ein Getrenntleben sowie das Einreichen der Scheidung ist unschädlich so lange diese noch nicht wirksam ist.
    • Rechtliche geschiedene Eheleute fallen unter die Steuerklasse II (nicht III), dies gilt auch, wenn die geschiedenen Eheleute sich wieder versöhnt haben und zusammenleben.
    • Merke: Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft sowie Verlobte werden davon nicht erfasst. Hier gilt Steuerklasse III!

(Stief-) Kinder 

    • Hierzu gehören sowohl eheliche als auch nichteheliche Kinder sowie Adoptivkinder.
    • Das Adoptivkind fällt auch gegenüber seinen leiblichen Eltern in die Steuerklasse I.
    • Pflegekinder unterliegen nicht der Steuerklasse I.

Abkömmlinge der Kinder 

    • Typischerweise gehören hierzu die Enkel, aber auch andere Abkömmlinge der Kinder i.o.g. Sinne (Kinder der Adoptiv- und Stiefkinder).
    • Sie fallen aber nur unter die Steuerklasse I, sofern ihre Eltern (die direkten Abkömmlinge des Erblassers) vorverstorben sind.

Eltern 

    • Im Erbfall gehören die leiblichen Eltern zur Steuerklasse I. Bei Schenkungen unterfallen sie hingegen der Steuerklasse II.
    • Stiefeltern und Schwiegereltern unterliegen hingegen der Steuerklasse II.
Zur Steuerklasse II gehören

Eltern 

    • Im Falle von Schenkungen werden die Eltern weniger begünstigt und können lediglich von der Steuerklasse II profitieren.

Geschwister 

    • Im Vergleich zu den direkten Abkömmlingen werden die Geschwister deutlich schlechter gestellt. Sie fallen lediglich in die Steuerklasse II. Zu den Geschwistern zählen auch Halbgeschwister (Geschwister die nur einen Elternteil gemeinsam haben).
    • Auch die direkten Abkömmlinge der Geschwister 1. Grades unterfallen der Steuerklasse II. Dazu gehören auch Adoptivkinder

Stiefeltern/ Schwiegereltern/Schwiegerkinder 

    • Die Steuerklasse ist selbst dann anzuwenden, wenn die Ehe, welche die Schwägerschaft begründet hatte, geschieden wurde. 
    • Auch Stiefschwiegerkinder sind Schwiegerkinder im Sinne der Steuerklasse II

Geschiedener Ehegatte 

    • Ab Wirksamkeit der Scheidung gehört der geschiedene Ehegatte zur Steuerklasse II. Dieser Fall ist aber nur relevant, wenn der geschiedene Ehegatte per Testament als Erbe oder Vermächtnisnehmer eingesetzt wurde, da einem geschiedenen Ehegatte kein gesetzliches Erbrecht zusteht.
Zur Steuerklasse III gehören
    • Alle sonstigen Personen, die nicht unter die Steuerklasse I oder II fallen. 
    • Hierunter fallen neben Personen die keine (angeheirateten) verwandtschaftliche Beziehung haben insbesondere Schwager und Schwägerin.

Wie hoch sind die Freibeträge? 

Auch innerhalb derselben Steuerklasse unterscheiden sich die Freibeträge und werden durch das Verwandtschaftsverhältnis bestimmt.  

  • Wichtig ist hier, dass die Enkel einen erhöhten Freibetrag haben, sofern ihre Eltern wiederum vorverstorben sind. 
  • Eltern haben im Vergleich zu den übrigen Personen einen hohen Freibetrag, der jedoch nur für Erbfälle gilt. In Fällen von Schenkungen steht ihnen lediglich ein Betrag i.H.v. €20.000 zu.
  • Bei dem Freibetrag handelt es sich nicht um eine Freigrenze, sodass auch der volle Betrag gewährt wird, wenn der Freibetrag überschritten wird. Nur der den Freibetrag übersteigende Betrag unterliegt der Steuer.
  • Wichtig ist, dass der Freibetrag für jeden Erben je Erbfall voll gewährt wird und nicht zwischen den Erben aufzuteilen ist oder gar nur einmalig gewährt wird. D.h. der Freibetrag wird sowohl im Fall des Versterbens des Vaters als auch der Mutter jeweils vollständig und damit in einer Gesamthöhe von insgesamt €800.000 gewährt. Dies gilt auch dann, wenn beide Elternteile durch einen Unfall gleichzeitig verstorben sind. 
  • Eine Aufteilung des Freibetrages ist nicht möglich. Erbt man von einem Elternteil €300.000 und von dem anderen Erbteil €500.000, so kann man den für den ersten Erbfall nicht genutzten Freibetrag i.H.v. 100.000 nicht für den zweiten Erbfall verwenden.
  • Die Freibeträge werde auch gegenüber nur beschränkt Steuerpflichtigen EU-Bürgern gewährt. Z.B. wenn einem EU-Bürger ein in Deutschland gelegenen Grundstück vermacht wird, und der Erblasser nicht in Deutschland lebte. Der Freibetrag wird jedoch anteilig gekürzt, sofern neben dem Grundstück innerhalb von 10 Jahren von derselben Person noch anderes Vermögen, welches nicht der deutschen Erbschaftsteuer unterliegt, vermacht wurde. Auf Grund der komplexen Materie der beschränkten Steuerpflicht, sollten Sie sich Rat bei Ihrem Steuerberater/Rechtsanwalt holen.

Was passiert, wenn der Erbe bereits schon früher etwas vom Erblasser erhalten hat? 

  • Da die Freibeträge auch für Schenkungen gelten, werden diese bei der Ermittlung des verbleibenden Freibetrags mit berücksichtigt, sofern diese Schenkungen innerhalb der letzten 10 Jahre vor dem Erbfall erfolgt sind.

Beispiel

Der Vater, der im Jahre 2020 verstorben ist, hat im Jahre 2011 dem Sohn ein Haus im Wert von €250.000 geschenkt. Da diese Schenkung noch nicht mehr als 10 Jahre zurückliegt, ist diese bei der Ermittlung des verbleibenden Freibetrages mit zu berücksichtigen. Dieser beliefe sich hier nunmehr nur noch auf €150.000.

Läge die Schenkung bereits mehr als 10 Jahre zurück, so wäre der Freibetrag in voller Höhe von €400.000 erneut zu gewähren.

  • Bei der Ermittlung des Zeitpunktes einer zu berücksichtigenden Schenkung innerhalb der 10-Jahresfrist kommt es auf den Zeitpunkt des Vollzugs der Schenkung an. Im Falle einer Grundstücksschenkung wäre dies spätestens der Zeitpunkt der Eintragungsumschreibung im Grundbuch. Sofern die Eintragungsvoraussetzungen (Auflassungserklärung sowie Bewilligung zur Umschreibung des Grundbuch) bereits früher vorgelegen haben sollten und dieser Zeitpunkt außerhalb der 10-Jahresfrist liegt die Eintragung aber aus anderen Gründen erst später und damit innerhalb der 10-Jahresfrist erfolgte, sollte man prüfen, ob man sich nicht auf den früheren Zeitpunkt berufen kann. Hierzu solltest Du am besten mit einem Steuerberater sprechen.
  • Sollten innerhalb der letzten 10 Jahre Geschenke erfolgt sein, von denen das Finanzamt bislang keine Kenntnis hatte (z.B. Bargeschenke innerhalb des Freibetrages), die nunmehr den Freibetrag aber entsprechend mindern würden, so ist das dem Finanzamt unbedingt mitzuteilen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Du Dich wegen einer Steuerhinterziehung  strafbar machst.
  • Sollte die damalige Schenkung bereits eine Steuer ausgelöst haben, so wird auf den Gesamtbetrag unter Anrechnung einer früheren festgesetzten Steuern die jetzige Steuerschuld ermittelt. 

Was ist der besonderer Versorgungsfreibetrag? 

Der Ehegatte sowie die Kinder erhalten neben den zuvor beschriebenen Freibeträgen unter bestimmten Voraussetzungen einen besonderen Versorgungsfreibetrag.  Dieser beläuft sich bei Ehepartner auf €256.000 und bei Kindern bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres zwischen €52.000 und €10.300. 

Der Freibetrag wird auch beschränkt Steuerpflichtigen gewährt, wobei auch hier Besonderheiten bei der Anrechnung ausländischer Versorgungsbezüge zu berücksichtigen sind.

Versorgungsbezüge des Ehegatten

Der Freibetrag wird nur gewährt, sofern dem Ehegatten auch den allgemeine Freibetrag i.H.v. €500.000 gewährt wird. Auf die dortigen Voraussetzungen wird entsprechend verwiesen.

Auch wenn die Bezeichnung dieses Freibetrages etwas anderes vermuten lässt, wichtig zu wissen ist, dass der Freibetrag unabhängig davon gewährt wird, ob der Ehegatte überhaupt Anspruch auf Versorgungsbezüge zusteht. D.h., auch wenn dem Ehegatten ausschließlich eine vermietete Immobilie vererbt wird, so steht ihm der Freibetrag zu.

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der Versorgungsfreibetrag einer Kürzung unterliegen kann. Sollte dem Ehegatten nämlich bereits Versorgungsbezüge zustehen, die gar nicht der Erbschaftsteuer unterliegen, so ist der Versorgungsfreibetrag um den Kapitalwert dieser Versorgungsbezüge zu kürzen. 

Zu den nicht der Erbschaftsteuer unterliegenden und damit zu berücksichtigenden Versorgungsbezügen gehören

  • Versorgungsbezüge aus einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis oder aus einem Arbeitsverhältnis mit Anspruch auf Versorgung nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen,
  • Bezüge aus der Versorgung der Abgeordneten, Parlamentarischen Staatssekretäre und Minister,
  • Renten der Versicherungs- und Versorgungseinrichtungen, die für Angehörige bestimmter Berufe errichtet sind (z.B. der Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte),
  • Renten der betrieblichen Altersversorgung einschließlich der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst und der hüttenknappschaftlichen Zusatzversorgung
  • Private Hinterbliebenenbezüge im Sinne der Rechtsprechung des BFH.

Bei der Berechnung des Kapitalwertes der Versorgungsbezüge ist von der Höhe des jährlichen Bruttobezüge auszugehen. Spätere Änderungen in der Höhe der der Bezüge sind nur dann zu berücksichtigen, wenn diese zur Zeit des Todes des Erblassers vorauszusehen waren.

Zur Ermittlung des Kapitalwertes wird der Wert der jährlichen Versorgungsbezüge mit dem Koeffizienten der jeweils aktuellen Sterbetafel multipliziert. Im Ergebnis ermittelt man den Wert der Leistung unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Lebenserwartung des Erben. Die tatsächliche Lebenserwartung zu diesem Zeitpunkt ist hierbei aber ohne Belang. Sollte der Erbe jedoch vorzeitig versterben, so kommt u.U. für dessen Erben ein Antrag auf Korrektur des Kürzung in Betracht. 

Auch Einmalzahlungen (z.B. aus einer betrieblichen Direktversicherung) könnte u.U. auf den Versorgungsfreibetrag angerechnet werden. Da hier die Rechtslage weiterhin unklar ist, solltest Du entsprechend steuerlichen Rat einholen.

Die privaten Versorgungsbezüge (z.B. aus einer privaten Lebensversicherung) mindern den Freibetrag hingegen nicht.

Sollte der Wert der o.g. erbschaftsteuerlich nicht zu berücksichtigenden Versorgungsbezüge den Freibetrag überschreiten, reduziert sich nur dieser auf „0“. Eine darüber hinausgehende Kürzung des persönlichen Freibetrages erfolgt nicht. 

Versorgungsbezüge der Kinder

Sofern Kinder unter 28 Jahren Erben sind, so erhalten auch Sie einen Versorgungsfreibetrag in gestaffelter Form in Abhängigkeit ihres Alters. Anders als bei den allgemeinen Freibeträgen steht den Enkelkinder dieser Freibetrag nicht zu.

Wie bei Ehegatten ist der Freibetrag um den Kapitalwert der o.g. nicht der Erbschaftsteuer unterliegenden Versorgungsbezüge zu kürzen. Für die Ermittlung legt man dabei aber nicht die Lebenserwartung zu Grunde, sondern die voraussichtliche Bezugsdauer der Versorgungsbezüge. 

Wie ermittelt sich der Steuersatz?

Ähnlich wie bei der Einkommensteuer sieht die Erbschaftsteuer einen gestaffelten Satz vor, der sich nach der Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs richtet. Die jeweiligen Grenzen sind wiederum abhängig von der Einordung der Steuerklasse I – III.

Anders als bei der Einkommensteuer unterliegt aber nicht nur der Betrag, der den Grenzwert (z.B. T€75 überschreitet) dem erhöhten Steuersatz, sondern sodann der Gesamtbetrag. 

Liegt z.B. der Gesamterwerb bei T€110 so unterliegen nicht T€75 davon einem Steuersatz in der Steuerklasse I von  7% und der Rechtbetrag von T€35 einem Steuersatz von 11%,  sondern der Gesamtbetrag von T€110 unterliegt einem Steuersatz von 11%.

Da es bei geringen Überschreitungen der Grenzwerte zu Ungerechtigkeiten führen, gibt es für diese Fälle eine sogenannte Härteregelung, dass der den Grenzwert überschreitende Betrag bis zu einer gewissen Höhe noch mit dem günstigeren Satz besteuert wird.  Dieser sogenannte Härteausgleich wird vom Finanzamt bei der Festsetzung der Erbschaftsteuer automatisch berücksichtigt. 

Ermittlung Erbschaftsteuer

Im Vorliegenden erfährst Du alles darüber, wie Du die Erbschaftsteuer ermittelst.

Wie erfolgt die Ermittlung der Erbschaftsteuer? 

Gesamtwert des Nachlasses 

–     Nachlassverbindlichkeiten (z.B. Schulden)

–     Abzüglich sachlicher Steuerbefreiungen (z.B. Eigenheim)

–     Abzüglich persönlicher Steuerfreibeträge (zwischen €20.000 – €756.000)

           = Gesamthöhe des steuerpflichtigen Erwerbs 

x  Persönlicher Steuersatz (7% – 50%) basierend auf  Steuerklasse und Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs)

=  endgültige Erbschaftsteuerbelastung

Was mache ich, wenn ich die Erbschaftsteuer nicht zahlen kann? 

Damit der Erbe nicht das ererbte Familienheim oder die ererbte Eigentumswohnung zur Begleichung der Steuerschuld umgehend veräußern muss, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer Stundung der Steuer auf bis zu 10 Jahren vor. Diese muss beim Finanzamt beantragt werden und gilt nur, wenn Du nicht in der Lage bist aus Deinem übrigen Vermögen die Erbschaftsteuerschuld zu begleichen. Es gilt sowohl in den Fällen, in dem Du das ererbte Immobilienvermögen nunmehr zu eigenen Wohnzwecken nutzt oder dieses vermietest. 

Die Stundung entfällt bei einer Weitergabe der Immobilien im Wege der Schenkung.Eine sich an die Selbstnutzung anschließende Vermietung ist unschädlich.

Die Stundung erfolgt zinslos.

Kann ich die im Ausland gezahlte Erbschaftsteuer anrechnen? 

Grundsätzlich gilt, dass die im Ausland gezahlte Erbschafsteuer auf die deutsche Steuer (teilweise) anrechenbar ist.

Hierzu müssen aber einige Voraussetzungen erfüllt sein: 

  • Die Steuer muss mit der dt. Erbschaftsteuer vergleichbar sein. D.h. es muss sich um eine Steuer handeln, die auf Grund eines Erwerbs im Rahmen eines Todesfalls festgesetzt wurde.
  • Es muss sich um „Auslandsvermögen„. Hierbei handelt es sich um das in § 121 BewG genannte Vermögen, welches auf einen ausländischen Staat entfällt. Hierzu zählt z.B. Grundbesitz, Anteile an Kapitalgesellschaften mit eines Mindestbeteiligung von 10%, usw. Etwaige Nachlassverbindlichkeiten sind dem Auslandsvermögen genau zuzuordnen (z.B. Hypothek auf das ausl. Grundvermögen). Kann keine direkte Zuordnung erfolgen, so sind alle Verbindlichkeiten verhältnismäßig zw. deutschem und ausländischen  Vermögen aufzuteilen. 
  • Achtung: Wichtig ist hierbei, dass z.B. Barvermögen, Bankguthaben, allgemeine Geldforderungen nicht darunter fallen. Somit ist die ausländische Erbschaftsteuer auf Bank- oder Barvermögen nicht anrechenbar, obwohl das Vermögen in Deutschland der Erbschaftsteuer unterworfen wird. 
  • Die ausländische Steuer muss bereits festgesetzt worden sein.
  • Die ausl. Steuer darf keinem weiteren Ermäßigungsanspruch unterliegen (wg. Ausl. Sonderregelungen wie z.B. Freibeträge)
  • Auf Grund der in Deutschland geltenden hohen Freibeträge kann es in Fällen von Auslandsvermögen dazu kommen, dass ein Großteil der ausländischen Steuer nicht anrechenbar ist. Ein Abzug als Verbindlichkeit kommt hier leider auch nicht in Betracht.  Die ausländische Steuer wird nur in der Höhe angerechnet, als der Erwerb des Vermögen auch in Deutschland der Steuer unterlegen hätte. Hierfür ist der Anteil des ausl. Vermögen am gesamten steuerpflichtigen Vermögen zu bestimmen. Nur in Höhe des auf diesen Anteil entfallende dt. Erbschaftsteuer ist die ausl. Steuer anrechenbar. 

Beispiel

  • Ausländisches Vermögen = 100T€  /
    • ausl. Steuer = 20T€
  • Dt. Vermögen = 900T€ 
    • dt. Steuer auf Gesamtvermögen von 1.000T€ = 50T€ (annahmegemäß) 

Wichtig!  Es erfolgt keine volle Anrechnung der 20T€ auf die 50T€ sondern: 

  • Anteil des ausl. Vermögens am steuerpflichtigen Gesamtvermögen (nicht am steuerpflichtigen Erwerb) = 10% 
  • Die ausländische Steuer ist somit in Höhe von 10% der dt. Steuer anrechenbar = 10% von 50T€ = 5 T€ 
  • Somit kann lediglich in Höhe von 5T€ die ausl. Steuer angerechnet werden. 
  • Die Anrechnung wird nur auf Antrag gewährt. 
  • Sofern Deutschland mit dem ausländischen Staat ein sog. Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung (DBA) abgeschlossen hat, geht dieses der Regelung vor. Insoweit könnte diese entweder eine Freistellung von der dt. Besteuerung vorsehen oder eine Anrechnung. 
  • Hinweis: Ob und in welcher Höhe die ausländischen Steuer angerechnet werden kann hängt sehr von den Umständen des Einzelfalls ab (Art des Vermögens, Art der im Ausland erhobenen Steuer, Anwendbarkeit eines DAB’s, usw.), sodass in diesem Fall dringend fachkundiger Rat, höchstwahrscheinlich auch im Ausland, eingeholt werden sollte.
Jetzt starten!