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Steuern regeln

Wie hoch ist meine Erbschaftsteuer?

Allgemein

Welche steuerlichen Konsequenzen hat die Beendigung und Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft? 

Eine Erbauseinandersetzung kann in vielerlei Formen erfolgen. In Abhängigkeit der gewählten Form, kann diese jedoch u.U. ungewünscht nicht unerhebliche Steuern auslösen. Grundsätzlich unterscheidet man bei der Erbauseinandersetzung von Privatvermögen folgenden Varianten:

  • Auseinandersetzung ohne Ausgleichszahlungen 
  • Auseinandersetzung unter Begleichung von Schuldung
  • Auseinandersetzung mit Ausgleichszahlungen

Mehr zu all diesen Themen erfährst du in den nächsten Reitern.

Arten der Auseinandersetzung und deren ertragsteuerliche Folgen

Auseinandersetzung ohne Ausgleichszahlungen

Hier erfolgt die Verteilung des Nachlasses entsprechend der Erbquote. Kein Erbe erhält ein „Mehr“ an Vermögen und muss daher den übrigen Erben hierfür keinen Ausgleich zahlen.

Beispiel 1

Zum Nachlass gehören zwei Grundstücke mit einem Wert von je EUR 500.000. Die Erben einigen sich darauf, dass jeder ein Grundstück übernimmt. 

Lösung

Die Auseinandersetzung ist steuerneutral möglich.

Beispiel 2

Zum Nachlass gehören zwei Grundstücke mit einem Wert von EUR 1Mio sowie einem Wert von EUR 500.000. Zudem hatte der Erblasser noch Spielschulden von EUR 500.000. Die Erben einigen sich darauf, dass jeder ein Grundstück erhält, derjenige mit dem höherwertigen Grundstück muss jedoch die Spielschulden übernehmen.

Lösung

Die Auseinandersetzung ist steuerneutral möglich.

Z.B. ist es für die Höhe der Erbschaftsteuer auch unerheblich, wie viel der Erbe tatsächlich nach der Auseinandersetzung erhält oder welche Nachlassgegenstände er tatsächlich bekommt. Selbst wenn dieser sich bereit erklärt überproportional Schulden des Erblassers zu Gunsten der Mitwerben zu übernehmen, wird seine Steuerschuld ausschließlich auf Basis seiner Erbquote ermittelt.

Auseinandersetzung unter Begleichung von Schulden 

Hier übernimmt ein Erbe mehr Schulden des Erblassers als seiner Erbquote entspricht, erhält hierfür jedoch eine vollen Kompensation der übrigen Erben.

Beispiel

Der Nachlass besteht aus zwei Häusern mit einem Wert von je EUR 500.000, wobei ein Haus mit EUR 500.000 belastet ist. Die Erben einigen sich darauf, dass der Erbe, der das belastungsfreie Haus übernimmt, dem anderen Erben hierfür einen Ausgleich von EUR 250.000 zahlt. 

Lösung

Die Auseinandersetzung ist steuerneutral möglich. In diesem Fall erfolgt lediglich ein interner Ausgleich für die übernommenen Schulden. Der Erbe, der das belastungsfreie Gebäude übernimmt erhält kein „Mehr“ aus dem Nachlass, für das er einen Ausgleich zahlt, sondern es erfolgt lediglich ein interner Ausgleich.

3. Auseinandersetzung mit Ausgleichszahlungen 

In diesem Fall erhält ein Erbe ein „Mehr“ am Nachlass und zahlt den übrigen Erben hierfür einen Ausgleich (sog. Spitzenausgleich). 

Beispiel

Im Nachlass befindet sich ein vermietetes Haus mit einem Marktwert von EUR 1.000.000 (Anschaffungswert unter Berücksichtigung bisher vorgenommener AfA = EUR 500.000; angeschafft vor ca. 5 Jahren). Die zwei Erben einigen sich darauf, dass der Erbe A das Haus gegen Zahlung einer Abfindung i.H.v. EUR 500.000 von B übernehmen kann. 

Lösung:

Auch wenn der Erbe A im Ergebnis nicht mehr bekommen hat, als er bekommen hätte, wenn man das Haus hätte teilen können (hier je EUR 500.000), führt diese Art der Auseinandersetzung zu erheblichen steuerlichen Konsequenzen. 

Es wurden nämlich nicht nur EUR 1Mio als Nachlass verteilt, sondern insgesamt EUR 1.5Mio in Form (i) der Hauses an Erben A sowie (ii) ein „Mehr“ in Form der Ausgleichszahlung an B. Darin unterscheidet sich dieser Fall von den o.g. Fällen 1 und 2.

Für handelt es sich um ein Veräußerungsgeschäft. B hat seinen ½ Anteil am Gebäude für EUR 500.000 verkauft.  Da dieser einen Steuerwert von EUR 250.000 hatte, erzielt B einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn i.H.v. EUR 250.000, da das Haus noch keine 10 Jahre im Eigentum des Erben (auch unter Berücksichtigung der Eigentumsdauer des Erblassers) stand. 

Sonstige Konsequenzen: Da es sich für A um ein Anschaffungsvorgang handelt kann dieser AfA auf die Höhe der Anschaffungskosten von EUR 500.000 geltend machen. Im Übrigen führt er die AfA auf die historischen Anschaffungskosten des Erblassers für den „geerbeten“ Anteil mit einem derzeit noch vorhandenen Steuerwert von EUR 250.000 fort.  

Rechtsrat einholen

Vor einer Auseinandersetzung mit Ausgleichszahlungen in o.g. Art und Weise solltest Du Dir dringend den Rat eines Steuerberaters einholen um sicher zu stellen, dass diese Auseinandersetzung keinen nachteiligen Konsequenzen für die Beteiligten haben. Im o.g. Fall, B über 40% Steuern zahlen, womit sich der Wert seines Erbanteils nahezu um ¼  verringert. Sofern dies von A berücksichtigt werden sollte (z.B. durch eine höhere Ausgleichszahlung), käme es hierbei hingegen zu einer noch höheren steuerlichen Belastung.  

Der Erwerb von Grundstücken vom Erblasser unterliegt nicht der Grunderwerbsteuer. Gleiches gilt bei der Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft (ohne Ausgleichszahlung), bei dem das Grundstück auf einen oder mehrere Erben übertragen wird. Dies gilt aber nur, bis die Erbengemeinschaft aufgeteilt wird. Nach der Verteilung ist eine Übertragung des Grundvermögens wiederum grunderwerbsteuerpflichtig. Die Übertragung eines Grundstücks an Dritte (z.B. im Rahmen eines Verkaufs des Erbvermögens) unterliegt hingegen wieder der Grunderwerbsteuer. 

Grunderwerbsteuer könnte auch dann anfallen, wenn im Rahmen der Erbauseinandersetzung der das Grundstück übernehmende Erbe den übrigen Erben einen Ausgleich für seinen höheren Anteil zahlt. 

Sonstige steuerliche Konsequenzen

Unterliegt der Erwerb eines Grundstücks im Rahmen der Auseinandersetzung der Grunderwerbsteuer? 

Der Erwerb von Grundstücken vom Erblasser unterliegt nicht der Grunderwerbsteuer. Gleiches gilt bei der Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft (ohne Ausgleichszahlung), bei dem das Grundstück auf einen oder mehrere Erben übertragen wird. Dies gilt aber nur, bis die Erbengemeinschaft aufgeteilt wird. Nach der Verteilung ist eine Übertragung des Grundvermögens wiederum grunderwerbsteuerpflichtig. Die Übertragung eines Grundstücks an Dritte (z.B. im Rahmen eines Verkaufs des Erbvermögens) unterliegt hingegen wieder der Grunderwerbsteuer. 

Grunderwerbsteuer könnte auch dann anfallen, wenn im Rahmen der Erbauseinandersetzung der das Grundstück übernehmende Erbe den übrigen Erben einen Ausgleich für seinen höheren Anteil zahlt. 

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