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Steuern regeln

Wie erkläre ich die Erbschaftsteuer?

Muss ich eine Erbschaftsteuererklärung abgeben?

Sofern Du aufgefordert wurdest musst Du auch dann eine Erklärung abgeben, wenn Du zu Recht denkst, dass eine Steuerpflicht auf Grund z.B. Deiner Freibeträge in Betracht kommt. Diese Entscheidung steht allein dem Finanzamt zu.

Auch wenn Du nicht aufgefordert wurdest eine Erklärung abzugeben, sich aber später herausstellt, dass die Erbschaft weiteres Vermögen umfasst welches nicht ganz offensichtlich unter Deinen Freibetrag liegt, muss Du dies gegenüber dem Finanzamt anzeigen (siehe hierzu vorherigen Reiter ‚Anzeige‘). 

Die Steuererklärung kann bislang nicht elektronisch über das Elster Portal sondern ausschließlich schriftlich unter Verwendung der jeweiligen amtlichen Formulare eingereicht werden. Die Formulare werden dem Erben regelmäßig im Rahmen der Aufforderung zur Abgabe der Steuererklärung mit übersandt.

Der Erklärung ist ein Nachlassverzeichnis beizufügen sowie  Wertangaben zu den jeweiligen Nachlassgegenstände zu machen.

Wie kann ich die Erbschaftsteuererklärung abgeben?

Die Steuererklärung kann bislang weiterhin nur schriftlich unter Verwendung der jeweiligen Formulare beim zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt eingereicht werden. Eine Übersendung über das Steuerportal „Elster“ ist derzeit noch nicht möglich.

Wo finde ich die richtigen Formulare? 

Wichtige Hinweise zu Erklärung: 

    • Die Angaben sollten zutreffend und vollständig sein.
    • Kannst Du die Erklärung nicht innerhalb der gesetzten Frist (mindestens einen Monat) abgeben, solltest Du beim Finanzamt rechtzeitig eine Fristverlängerung beantragen. Dein Antrag solltest Du plausibel begründen. Bei Nichtabgabe oder nicht fristgerechter Abgabe der Erklärung können Verspätungszuschläge sowie Zwangsgelder festgesetzt werden.
    • Solltest Du unsicher sein, wie gewisse Fragen zu verstehen sind, kontaktiere die Finanzverwaltung oder Deinen Steuerberater.
    • Wenn Du zu manchen Punkten (noch) nichts sagen kannst oder bei den Angaben unsicher bist, vermerke dies ausdrücklich auf der Erklärung oder auf einem Beiblatt. 
    • Benötigst Du mehr Platz für Erläuterungen kannst Du natürlich weitere Angaben auf einem Ergänzungsblatt vornehmen. Achte nur auf die Verweise (z.B. Anmerkungen zu meinen Angaben in Zeile 33)
    • Solltest Du später feststellen, dass manche Angaben unzutreffend sind oder Du neue Erkenntnisse haben solltest (Barvermögen wurde gefunden, neue Verbindlichkeiten des Erblassers werden festgestellt, etc.) dann solltest Du umgehend dies dem Finanzamt mitteilen. Sofern ein Bescheid bereits ergangen ist, wird dieser rückwirkend geändert werden. Solltest Du dies versäumen, kannst Du Dich der Steuerhinterziehung straftbar machen. 
    • Die Steuererklärung ist eigenhändig zu unterschreiben. Eine nicht unterschriebene Erklärung gilt als nicht abgegeben. 
    • Bitte berücksichtige, dass das Erbschaftsteuerfinanzamt und das Einkommensteuerfinanzamt des Erblassers sowie des Erben ab einer bestimmten Höhe der Erbschaft umfangreiche Kontrollmitteilungen austauschen um die Besteuerung sicher zu stellen. Man sollte daher nicht dem Gedanken verfallen, dass man „unerklärtes Vermögen“ im Rahmen der Erbschafteuer erklären kann, ohne dass dies das Einkommensteuerfinanzamt des Erblassers erfährt und weitere Nachforschungen anstellt.

Was ist, wenn ich später noch neue Tatsachen erfahre?

Dies kann z.B. der Fall sein, wenn sich erst später herausstellt, dass der Erblasser doch höhere Schulden hatte oder über höheres Vermögen verfügte.

In diesem Fall besteht die Pflicht zu Abgabe einer geänderten Steuererklärung. 

Was passiert nach der Abgabe der Steuererklärung? 

Nach Erhalt der Steuererklärung wird das Finanzamt diese prüfen und ggf. weitere Informationen, Nachweise oder Dokumente anfordern. Diese betreffen die Ermittlung des Wertes des Nachlasses.

Oftmals setzt das Finanzamt Fristen für die Beantwortung von Rückfragen. Wenn Du diese nicht einhalten kannst (z.B. Krankheit, Umzug, längere Abwesenheit, usw., kontaktiere den/die zuständige Sachbearbeiter(in) (aus dem jeweiligen Schreiben zu entnehmen) und bitte diese(n) um eine Fristverlängerung.

Diese sollte in der Regel gewährt werden, selbst wenn es sich um eine nochmalige Verlängerung der Frist geht. Dann sollte man aber schon einen plausiblen Grund nennen. 

    • Die Rückfragen des Finanzamtes solltest Du vollumfänglich und richtig beantworten. Sind Dir die Fragen nicht klar, dann kontaktiere das Finanzamt und bitte um Erläuterung. Grundsätzlich sind die Mitarbeiter auskunftsbereit und helfen dir gerne weiter. 
    • Unsere Erfahrung ist, je besser und nachvollziehbarer Du die Fragen beantwortest desto schneller und mit weniger Rückfragen wird der Fall bearbeitet. 
    • Ist der Fall aus Sicht des Finanzamtes geklärt, erlässt dieses, sofern Erbschafsteuer anfallen sollte, einen Steuerbescheid.  Dieser Bescheid ergeht für jeden Erben einzeln, da die individuellen Umstände jedes einzelnen Erben (z.B. Freibeträge) berücksichtigt werden müssen. Den Bescheid solltest Du dringend mit Deiner Steuererklärung abgleichen und sorgfältig prüfen.
    • Bei Fragen zum Bescheid kannst Du das Finanzamt (oder natürlich Deinen Steuerberater) kontaktieren.

Was mache ich, wenn der Steuerbescheid falsch ist?

Fehler können immer passieren, auch beim Finanzamt. Sollte der Bescheid Deiner Ansicht nach fehlerhaft sein (meistens gibt es unterschiedliche Vorstellungen, was den Wert einzelner Erbgegenstände anbelangt oder bestimmte Kosten wurden nicht als Nachlassverbindlichkeiten anerkannt), so musst Du innerhalb eines Monats nach Erhalt schriftlich Einspruch einlegen. Dieser Einspruch muss zwar nicht begründet werden, es jedoch ratsam detailliert anzugeben, warum Du meinst, dass dieser fehlerhaft ist, damit Deinem Einspruch stattgegeben werden kann. Ansonsten entscheidet das Finanzamt nach Aktenlage, was regelmäßig zu Deinen Lasten sein wird.

Wichtig ist hierbei die Einspruchsfrist nicht zu versäumen. Nach Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist ist dieser nur noch unter sehr engen Voraussetzungen zu ändern. Die Einspruchsfrist selbst ist nicht verlängerbar. Solltest Du die Einspruchsfrist aber schuldlos verpasst haben, kannst Du mit einem Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand den Einspruch noch fristgerecht nachreichen. Hier empfehlen wir aber dringend Rat bei einem Steuerexperten zu suchen, um sicher zu gehen, dass Dein Antrag erfolgreich ist. 

Wie  lange läuft die Einspruchsfrist?

Du hast nach Erhalt des Steuerbescheides einen Monat (nicht vier Wochen) Zeit, um gegen den Bescheid Einspruch einzulegen. Der Einspruch muss schriftlich erfolgen.  Die Frist beginnt mit der Bekanntgabe des Steuerbescheides. Als bekannt gegeben gilt ein per regulärem Brief zugestellter Steuerbescheid grundsätzlich drei Tag nach seinem Versandt (Datum des Bescheides), auch wenn dieser früher bei Dir eintrifft. Fällt dieser (fiktive) Bekanntgabetag auf einen Samstag, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag, so verlängert sich die Frist jeweils auf den nächsten Werktag. Wurde der Bescheid per Postzustellungsurkunde bekannt gegeben, gilt der Tag der Zustellung.

Tipp

Wenn Du Einspruch gegen den Bescheid einlegen möchtest, solltest Du nicht bis zum letzten Tag der Frist warten. Die Fristberechnung hat ihre Tücken und Sonderfälle und Du solltest insoweit lieber auf Nummer sicher gehen. Der Einspruch braucht innerhalb dieser Frist auch nicht begründet werden. Dieser kann nachgereicht werden, sodass es immer ratsam ist, frühzeitig Einspruch einzulegen, um dann die Einspruchsgründe nach ausreichender Überlegung und Darlegung an das Finanzamt zu senden. Grundsätzlich ist nicht einmal eine Begründung erforderlich, aber sehr empfehlenswert, da das Finanzamt ansonsten nach Aktenlage (in der Regel zu Deinen Ungunsten) entscheiden wird.

Sollte dem Einspruch nicht stattgegeben werden erlässt das Finanzamt einen Einspruchsbescheid, gegen den Du innerhalb eines Monats Klage beim zuständigen Finanzgericht einlegen kannst. Auch hier sollte Dir ein Steuerexperte zur Seite stehen, der Dir hilft, das Gerichtsverfahren erfolgreich durchzuführen. 

Beachte

Auch wenn Du Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt hast, bleibt davon die Verpflichtung zur Zahlung der festgesetzten Steuer unberührt. Sollte Dein Einspruch dann später erfolgreich sein, wird das Finanzamt Dir die zu viel gezahlten Beträge erstatten.  Alternativ kannst Du bereits mit Deinem Einspruch einen Antrag auf  sog. „Aussetzung der Vollziehung“ stellen, bis über Deinen Einspruch entschieden wurde. Ob dieser Antrag gewährt wird, entscheidet das Finanzamt nach freiem Ermessen, wobei es hierfür die Erfolgsaussichten Deines Einspruchs berücksichtigt. Bevor Du eine Aussetzung beantragst solltest Du berücksichtigen, dass in diesem Fall Aussetzungszinsen i.H.v. 6% p.a. ab dem Zeitpunkt der Aussetzung anfallen werden, sofern Dein Einspruch später keinen Erfolg hat. In Anbetracht des niedrigen Zinsniveaus ist dies unter Umständen ein teuer „Zahlungsaufschub“. 

Wann muss ich die Erbschaftsteuer bezahlen?

Steuern müssen erst bezahlt werden, wenn diese durch einen Steuerbescheid festgesetzt wurden. Die Höhe der zu zahlenden Steuer, kannst Du aus dem entsprechenden Bescheid entnehmen.

Die Steuer musst Du innerhalb eines Monats nach der Bekanntgabe des Steuerbescheids entrichten. Zur Fristwahrung muss das Geld auf dem Konto der Finanzverwaltung eingegangen sein.

Sollte die Zahlung verspätet beim Finanzamt eingegangen sein, so wird für jeden angefangenen Monat der verspäteten Zahlung ein Verspätungszuschlag i.H.v. 1% erhoben. Insoweit gilt aber noch eine Verschonungsregel. Wenn die Zahlung innerhalb von 3 Tagen nach Fälligkeit eingeht, so wird kein Säumniszuschlag erhoben.

Solltest Du Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt haben, so hat dies grundsätzlich keine Folgen für die Pflicht zur Zahlung. Du kannst aber (ratsam: zusammen mit dem Einspruch) einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung stellen, sodass die Steuer bis zur endgültigen Entscheidung gestundet wird. Sofern dem Antrag stattgegeben wird, werden in diesem Fall aber Aussetzungszinsen i.H.v. 6% p.a. auf den ausgesetzten Steuerbetrag erhoben.

Was mache ich, wenn ich die Erbschaftsteuer nicht zahlen kann?

Damit der Erbe nicht das ererbte Familienheim oder die ererbte Eigentumswohnung zur Begleichung der Steuerschuld umgehend veräußern muss, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer Stundung der Steuer auf bis zu 10 Jahre vor. Diese muss beim Finanzamt beantragt werden und gilt nur, wenn Du nicht in der Lage bist aus Deinem übrigen Vermögen die Erbschaftsteuerschuld zu begleichen. Es gilt sowohl in den Fällen, in dem Du das ererbte Immobilienvermögen nunmehr zu eigenen Wohnzwecken nutzt oder dieses vermietest. 

Die Stundung entfällt bei einer Weitergabe der Immobilien im Wege der Schenkung. Eine sich an die Selbstnutzung anschließende Vermietung ist unschädlich.

Die Stundung erfolgt zinslos.

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