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Verpflichtungen beenden

Digitales Erbe

Digitales Erbe I

Die Bedeutung des digitalen Erbes wächst. Einen Überblick über das digitale Erbe zu bekommen, ist nicht immer einfach, da der Erblasser oft nicht vorgesorgt hat und ein Überblick über die Aktivitäten des Erblassers fehlt. Um handeln zu können, muss zunächst recherchiert werden, welche Konten überhaupt vorliegen und wie Du und Deine Miterben Zugang zu diesen bekommen könnt.

I. Die Erben sind Rechtsnachfolger des Erblassers, auch beim digitalen Erbe

Die Erben treten in alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein und übernehmen sein Vermögen, Verträge und Schulden. Davon umfasst ist auch das digitale Erbe.

  • Die Daten und Verträge, die elektronisch hinterlegt sind, gehen auf die Erben über. Die Vereinbarungen zwischen Anbieter und Erblasser inklusive der Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten auch für die Erben.
  • Den Erben steht das Vermögen, (z.B. Rechte an Bildern, Kommunikationsinhalte, digitale Währungen) zu, sie haften aber auch für die Verbindlichkeiten (z.B. offene Rechnungen).

Vom digitalen Erbe des Erblassers umfasst sind E-Mail-Konten, Online-Konten, Social Media-Accounts (Facebook, Instagramm, Twitter, LinkedIn, YouTube, …), digitale Mitgliedschaften/ Abos, Website, Kryptowährungen, Cloud-Dienste u.v.m.

II. Wie bekomme ich Zugang zu dem digitalen Nachlass?

  • Wenn Du oder Deine Miterben Zugang zum E-Mail-Konto des Verstorbenen haben, besteht die Möglichkeit weitere Online-Konten ausfindig zu machen und Zugang zu diesen zu bekommen, indem Passwörter zurückgesetzt und neu vergeben werden.
  • Haben Du oder Deine Miterben keinen Zugang zu den E-Mail-Konten und weiteren Konten des Verstorbenen, empfiehlt es sich zunächst Zugangsdaten und Passwörter in den Unterlagen des Verstorbenen zu suchen.
  • Falls das nicht erfolgreich sein sollte, können die Erben direkt auf die Anbieter zugehen. Diese sind verpflichtet, Zugang zu den Konten des Verstorbenen zu gewähren, wenn die Erben ihre Erbenstellung nachweisen (Erbschein). (BGH III ZR 183/17) Erben können den Zugang im Zweifel einklagen.

Rechtsrat einholen

Bestehen Schwierigkeiten bei einem Anbieter Zugang zu einem Konto des Verstorbenen zu bekommen,  kann es sinnvoll sein einen Rechtsanwalt einzuschalten.

III. Wie finde ich heraus, bei welchen Anbietern der Erblasser aktiv war?

Hinweise auf Online-Konten und offene Rechnungen können zu finden sein

  • Im E-Mail-Konto des Erblassers
  • Auf dem PC, Smartphone, Tablet oder USB-Stick
  • In den Unterlagen des Erblassers
  • In den Kontodaten des Verstorbenen, insb. Zahlungen innerhalb der letzten 12 Monate
  • Auf Nachfrage bei führenden Online-Anbietern, ob der Erblasser Kunde war
  • Durch Beauftragung von Nachlassdiensten, i.d.R. über Bestattungsunternehmen, die gegen Entgelt prüfen, wo der Erblasser bei den führenden Online-Anbietern Konten hatte.

IV. Was ist zu tun?

Mehr dazu, was zu tun ist, erfährst Du im nächsten Reiter unter ‚Digitales Erbe II‘.

Digitales Erbe II

Was konkret zu tun ist, erfährst Du im Folgenden:

IV. Was ist zu tun?

Anbieter haben oft Regelungen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder geben Hinweise auf ihrer Website, was bei einem Erbfall zu tun ist und welche Unterlagen verlangt werden (i.d.R. Sterbeurkunde, Erbschein und/ oder Personalausweis).

1. Verträge

Bei im Internet abgeschlossenen Verträge gilt grundsätzlich das, was auch bei Verträgen in Papierform gilt. Die meisten Verträge gehen im Todesfall auf die Erben über und laufen zu den bestehenden Konditionen weiter. Die Erben können Vertrag fortsetzen oder – wenn sie ihn nicht benötigen, umgehend kündigen, um weitere Kosten zu vermeiden.

Mehr zu dem Thema und den Kündigungsmöglichkeiten findest Du unter ‚Verträge allgemein‘.

Hinweise

  • Sind noch Rechnungen offen, sollte geprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, den Vertrag zu widerrufen oder zurückzutreten.
  • Kostenpflichtige Abonnements, z.B. bei Musik- und Film-Streamingdiensten sollten umgehend gekündigt werden, um weitere Kosten zu vermeiden.

2. Social-Media-Accounts / Soziale Netzwerke

War der Erblasser Mitglied in einem sozialen Netzwerk, ist zu klären, was mit dem Profil des Verstorbenen geschehen soll. Hat der Verstorbene zu Lebzeiten nicht geregelt, was mit seinem digitalen Nachlass passieren soll, entscheiden die Erben, ob die Profile im Netz zugänglich bleiben oder gelöscht werden. Haben Du und Deine Miterben keine Zugangsdaten, könnt Ihr Euch an die Anbieter wenden. Diese sind verpflichtet, Zugang zu den Konten des Verstorbenen zu gewähren, wenn die Erbenstellung nachgewiesen wird (z.B. Erbschein).

Informationen darüber, welche Optionen bei den einzelnen Anbieter bestehen und welche Unterlagen im Einzelnen bei einem Todesfall verlangt werden (i.d.R. Sterbeurkunde, Erbschein und/ oder Personalausweis) findest Du entweder in den jeweiligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder auf der jeweiligen Website im Hilfebereich oder auf Anfrage beim Kundendienst des Anbieters.

Beispiele für Optionen

  • Der Erblasser kann zu Lebzeiten selbst bestimmen, was mit seinem Konto nach seinem Tod passieren soll oder er kann eine Vertrauensperson angeben.
  • Die Angehörigen/ Erben können das Konto weiter betreuen, in einen Gedenkstatus versetzen oder löschen lassen.

Tipps

  • Bei einem Auftrag zur Löschung des Kontos sollten vorab Erinnerungsphotos und Nachrichten gesichert werden.
  • Kostenpflichtige Verträge, z.B. Premium, sollten – wenn die Dienste nicht mehr gebraucht werden – gekündigt werden.

Bei Facebook kann der User in den Einstellungen bestimmen, dass das Konto nach dem Tod gelöscht werden soll oder man kann einen Nachlasskontakt angeben, der das Konto verwalten darf.
Hat der Verstorbene das nicht getan, können nahe Angehörigen

  • das Profil in einen Gedenkstatus versetzen lassen, so dass nur die Facebook-Freunde des Verstorbenen das Profil sehen und Beiträge zum Gedenken hinterlassen können.
  • das Profil löschen lassen.

Bei Google können Kontoinhaber in den Kontoeinstellungen festlegen, was mit ihren Daten bei YouTube, Gmail, etc. geschehen soll, wenn das Konto über einen bestimmten Zeitraum inaktiv bleibt. Hat die verstorbene Person dies nicht getan, können die Angehörigen von Google verlangen, dass das Konto geschlossen wird oder dass ihnen Daten daraus zur Verfügung gestellt werden.

Bei Twitter, LinkedIn, Xing und anderen Anbietern müssen die Angehörigen einen Antrag zur Löschung des Kontos stellen.

Gmx.de und web.de gewähren Zugang zum E-Mail-Konto, wenn die Erben dies unter Vorlage des Erbscheins beantragen.

Kostenlose E-Mail-Konten und Datenclouds werden von den Anbietern nach einer bestimmten Zeit der Inaktivität automatisch gelöscht.

3. Website des Erblassers

Wenn der Erblasser eine eigenen Website hatte, gehen die Urheberechte an den Inhalten und die Gestaltung der Website sowie die Vertragsbeziehungen auf die Erben über. Die Erben können die Seite weiterführen, dann muss das Impressum aktualisiert werden oder die Seite löschen, dann müssen die Vertragsbeziehungen zu Hostingleistungen und zur Nutzung der Domain gekündigt werden.

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